Archiv der Kategorie: Kontrollverlust

Die Impfgegner und die Krise der Institutionen

Vier Jahre ist das jetzt her, dass Gunter Dueck auf der re:publica 2011 seinen viel gefeierten Talk “Das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem” hielt. Höhepunkt seines Vortrags (“So jetzt kommt das schwere Geschütz”) war die Frage: “Glauben Sie nicht, dass wenn jemand eine Krankheit hat, dass er dann nach 2 Stunden surfen 10 mal mehr weiß, als sein Arzt?” Ich aber saß in meinem Sitz und ich konnte mich der schlichten wie unaufdringlichen Logik dieser Frage nicht entziehen. Wir kennen das alle: 10 Ärzt/innen 12 Diagnosen. Jeder kennt Fälle, in dem eine Patient/in tatsächlich die Diagnose richtiger einschätzte als der/die Arzt/in. Und hier nun stand Gunter Dueck und gab eine einfache Erklärung. Das Internet enthält doch bereits alles Wissen. Wer genügend Motivation mitbringt, (und die fehlt Betroffenen selten), kann sich (zumindest in vielen Fällen) selbst besser diagnostizieren, als ein Allgemeinarzt, der im Zweifelsfall vor vielen Jahren mal irgendwo eine Vorlesung zum Thema wieder vergessen hat. Ich sehe Duecks Argument heute nicht widerlegt, aber es wird immer offenbarer, dass es mehr braucht, als nur Internet und Motivation. Etwas, was Dueck und auch ich damals implizit vorausgesetzt gesetzt haben: das Vorhandensein von kritischem Denken, eine gewisse wissenschaftsmethodische Bildung. Damit meine ich die Fähigkeit, kritisch … Weiterlesen

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Die Struktur geheimen Wissens und sein Staat

Gerade spielen sich in der Politik Szenen ab, die sehr gut Aufschluss darüber geben, wie die eigentliche machtpolitische Konstellation zwischen Geheimdiensten und den sie bezahlenden Staaten aufgebaut ist. Auslöser ist der NSA-Untersuchungsausschluss des deutschen Bundestages. Es war schon oft bemängelt worden, dass vertrauliche Informationen und Dokumente im Zuge der Untersuchung ans Tageslicht kamen. Nun aber macht einer der wichtigsten Partner des BND Ärger. Der britische GCHQ droht mit der Kündigung der Zusammenarbeit und nun wird befürchtet, dass der BND dem Untersuchungsausschuß aus diesem Grund Akten vorenthalten könnte. Wir sehen also einen BND, der zwischen seiner operativen Verpflichtung des Staates gegenüber, dessen Behörde er immer noch ist und der Loyalität zu seinen britischen Partnern hin und her gerissen ist. Wir sehen, dass eine Behörde ihre politische Aufsicht in Frage stellt. Und das ist doch … ganz interessant. Nun ist es keine Neuigkeit, dass das Konzept Geheimdienst strukturell der Funktionsweise eines demokratischen Staates widerspricht und dass institutionelle Kontrollversuche deswegen immer wieder scheitern. Die Notwendigkeit der Geheimhaltung zur Gewährleistung der Arbeit von Geheimdiensten ist die Sollbruchstelle seiner demokratischen Einbeziehbarkeit. Aber das ist nicht der einzige Grund. Die letzten Jahre wirkten weitere, externe Kräfte auf die besagte Konstellation und entfalteten eine enorme Sogwirkung auf … Weiterlesen

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Die neuen Cryptowars und die Plattformdämmerung

Derzeit scheinen wir gerade wieder in einen neuen Cryptowar hineinzuschlittern. Als Cryptowar wurde der Versuch der Regierungen, insbesondere der US-Regierung in den 90er Jahren bezeichnet, wirksame PublicKey-Verschlüsselungs-Software an ihrer Verbreitung zu hindern. Hacker und Aktivisten gingen damals so weit, auf Papier ausgedruckten und aus den USA importierten Quellcode händisch abzutippen. Die Regierung musste damals, vor allem auch aufgrund des Drucks aus der Wirtschaft, einlenken. Heute scheint es einen erneuten Vorstoß zu geben. Erst kam der britische Premier Cameron aus der Deckung, dann Obama und nun hat auch unser Innenminister de Maizière erste Andeutungen gemacht. Die Behörden sollen im Notfall auf jede Kommunikation zugreifen können. Die Gunst der Stunde nach den Anschlägen in Paris muss schließlich genutzt werden. Lässt man die Propaganda (und zwar von beiden Seiten …) mal beiseite und richtet lieber einen zweiten Blick auf das Timing und vor allem den Wortlaut der Formulierungen, kommt man nicht umhin, von den drei riesigen Elefanten Notiz zu nehmen, die da übergroß im Raum stehen. Ihre Namen sind iMessage, Hangout und WhatsApp und die Politiker geben sich auch nur wenig Mühe diese Adressaten zu verschleiern. Egal, was unsere snobistische Hackerauskenner erzählen (“das kann ich nicht ernst nehmen, das ist nicht Open Source … Weiterlesen

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#PeGiDa und der Kontrollverlust

Als sich überall auf der Welt die Hashtagrevolutionen und -Proteste häuften und die Welt – vernetzt durch die neuen Medien – immer mehr in Aufruhr geriet, fragte ich mich, wann es wohl in Deutschland so weit sein würde und wie das dann aussieht. Dass es so hässlich werden würde, hätte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen können. … Nein. Zu dramatisch. Wenn man die Leute fragt, welches soziale Problem durch das Internet ausgelöst/verschärft oder sonstwie befördert wird, würden viele bis heute sagen: Datenschutz/der Verlust der Privatsphäre. Insbesondere in der Netzszene ist immer noch die Angst verbreitet, das Individuum würde durch die Überwachunsgmöglichkeiten der digitalen Technologien gegenüber den Institutionen untergebuttert werden. Dabei ist augenscheinlich das Gegenteil der Fall. Das Individuum und die Zivilgesellschaft haben durch die digitale Technologie eine neue, ungeheure Macht bekommen, die sich längst nicht mehr nur positiv auswirkt. … Nein, viel zu abstrakt. Heute, an der Schwelle zum Jahr 2015 ist es 10 Jahre her, dass ich das Bloggen für mich mich entdeckte. Erst noch lesend, ab Juni 2005 mit eigenem Blog. Bloggen war für mich immer die wahrgewordene Utopie der Publizistik: Jede/r, immer, alles. Alle Barrieren des Publizierens waren gefallen. Ihr wisst schon: Brechts Radiotheorie und so … Weiterlesen

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Release!

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Die Struktur des Kontrollverlusts

Es ist soweit. Am 11. Oktober 2014 wird mein Buch “Das Neue Spiel – Strategien für die Welt nach dem digitalen Kontrollverlust” erscheinen. Ich hatte hier auf dem Blog noch während der Crowdfundingkampagne die damals geplante Inhaltsangabe gepostet. Schon wenige Wochen später habe ich sie allerdings bereits gekürzt. Das war aber nicht die letzte Änderung. Im Grunde hat sich die Struktur ab da noch zwei bis drei mal geändert. So ist das nun mal, wenn man unerfahren und blauäugig wie ich in den Schreibprozess geht. Hey, es ist mein erstes Buch! Nun, da das Buch ja im Druck ist, halte ich es für einigermaßen sicher genug, eine aktuelle Version der Inhaltsangabe vorzustellen. Im Grunde musste ich inhaltlich recht wenig Abstriche machen. Alles, was ich sagen wollte, ist drin. Manches vielleicht etwas kürzer als geplant, manches als Unterpunkt von Hauptkapiteln etc. Aber im Großen und Ganzen ist alles wesentliche zum Thema gesagt und die Inhalte aus den vorherigen Inhaltsverzeichnissen finden sich beinahe alle im Buch wieder. Und wisst ihr was: ich mag die Struktur, wie sie jetzt ist. Sie ist sehr viel klarer und auf den Punkt als geplant und vor allem als ich mir das damals habe vorstellen können. Geblieben … Weiterlesen

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Das neue Spiel – Nach dem Kontrollverlust

Seit einem Monat betreibe ich nun das Crowdfundingprojekt zu dem Buch, das ich zu schreiben vorhabe: »Das neue Spiel – nach dem Kontrollverlust«. Es ist jetzt schon das vierterfolgreichste Crowdfunding-Buchprojekt in deutscher Sprache. Und das, obwohl noch gar nicht so klar ist, was genau der Inhalt des Buches sein wird. Das möchte ich nun ändern und hier offenlegen, was ich vor habe. (Ich habe tatsächlich bis jetzt gebraucht das im Detail auszuarbeiten, deswegen kommt das so spät.) Hier zunächst die vorläufige Gliederung*: Einleitung Teil I. Kontrollverlust Die drei Treiber des Kontrollverlusts – Was ist der Kontrollverlust? – Es gibt kein analoges Leben im Digitalen – Streisand und ihre Schwestern – Die Krankenakte des Tutenchammun Das Ende der Ordnung – Aufstieg und Fall des Archivs – Die 3 Grundgesetze des Digitalen – Queryology Nach der Privatheit – Was ist Post-Privacy? – Diagnose, Utopie, Lebensstil – Informationhiding als Mikropolitik Die Krise der Institutionen – Die Kontrollrevolution – Das Partizipations-Transparent-Dilemma – Weltkontrollverlust Aufstieg und Funktion der Plattformen – Vom Netz zu Google vs. Facebook – Eigentum, Sex, Cloud – Die Ökonomie und Ökologie der Plattform – Regulierung und Schließung Eine Utopie in Trümmern – Hoffnung auf Holzwegen – »Ich hab doch nichts zu … Weiterlesen

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zkmb.de: Kontrollverlust und Kunst – Ein Werksbericht

/****** Im Laufe der Jahre, in der die Thesen zum Kontrollverlust die Runde machten, erreichten sie immer mal wieder auch die Kunst. Kunst – sofern sie es als ihre Aufgabe sieht, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen zu reflektieren – arbeitet sich auch gerne an aktuellen Theorien ab. Und so wurde ich hier und da angesprochen, um mitzudenken, mitzuschreiben und mitzuarbeiten. Hier eine Art Werksbericht über diese Berührungspunkte: ******/ Herr KEINER leidet am KEINERSyndrom. Eines der vielen Symptome dieser Krankheit ist, dass Herr KEINER nicht mehr selbstständig entscheiden kann, was privat und was öffentlich ist. Seine Daten breiten sich unkontrolliert aus und haben das Haus befallen. Ich weiß, sie wollen sich das jetzt anschauen aber das ist nicht ganz ungefährlich. Das KEINERSyndrom ist hoch ansteckend! Zu ihrem Schutz und dem von Herrn KEINERs Privatsphäre wurde staatlicherseits ein Datenschützer – also ich – bereitgestellt. Ich darf Sie also darum bitten, meinen Anweisungen folge zu leisten, vor allem im Interesse von Herrn KEINER aber auch im Interesse der öffentlichen Ordnung.“ Abb. 2: Foto: Ingolf Keiner [Weiterlesen >>>]   Tweet/****** Im Laufe der Jahre, in der die Thesen zum Kontrollverlust die Runde machten, erreichten sie immer mal wieder auch die Kunst. Kunst – sofern sie es … Weiterlesen

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Zeit.de – Die Privatsphärenfalle

/******* Manchmal kommen die Erkenntnisse in der falschen Reihenfolge. In der SPEX hatte ich vor ein paar Wochen den alternativen Weg beim Kampf gegen Überwachung in der Post-Snowdenzeit aufgezeigt: Das neue Spiel. Aber erst jetzt – nach der Bundestagswahl – wird endgültig klar, warum der bisherige Diskurs über Überwachung in eine Sackgasse geführt hat. Darüber habe ich auf Zeit Online geschrieben. *******/ Es muss als historischer Zufall gewertet werden, dass die diesjährige Bundestagswahl mitten in den größten Datenschutz-Skandal der Weltgeschichte fiel. Potenziell alle Internetdaten werden in Echtzeit gescannt, gespeichert und ausgewertet. Daten aus Social Networks werden in Massen weitergegeben, verschlüsselte Verbindungen werden geknackt oder umgangen. 2013 wird als das Jahr der Datenschmelze in die Geschichte eingehen. Zur gleichen Zeit läuft die bundesrepublikanische Presselandschaft zur Höchstleistung auf. Sie setzt den Überwachungsskandal immer wieder ganz oben auf die Tagesordnung, berichtet scharf und detailliert, monatelang, in ungeahnter Qualität und kritischer Haltung. Während all dem tut die Bundesregierung: nichts. Es gibt ein paar Appelle, ein Besuch des Innenministers in Amerika, ansonsten Rechtfertigungen, peinliche Ausrutscher, Beschwichtigungen und Lügen. Selbst Angela Merkel, sonst die ruhige Managerin im Hintergrund, kommt zum ersten Mal ins Schleudern. Und das mitten im Wahlkampf. Das Ergebnis: Die Union erringt einen historischen … Weiterlesen

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SPEX: Das neue Spiel: Prism vs. Kontrollverlust

/************** Der lange Artikel für die SPEX, in dem ich einerseits versuche die Snowdenenthüllungen im Kontext des Kontrollverlusts zu lesen und andererseits nach Wegen aus diesem Dilemma suche, ist nun erschienen. ***************/ Eigentlich sind die Enthüllungen von Edward Snowden alles andere als überraschend. Bei Anne Will sagte der Politikberater Andrew B. Denison es ganz unverblümt: Geheimdienste seien dafür da, die Gesetze anderer Staaten zu übertreten. Er hat damit nicht unrecht, so zynisch diese Einsicht auch klingen mag. Wir wussten immer, dass Geheimdienste Regierungen, Terroristen, Militärs bespitzeln, und wir machten uns keine Illusion darüber, ob sie sich dabei an die hiesigen Gesetze halten würden. Für diese Erkenntnis reicht auch rudimentäres James-Bond-Wissen. Was also ist das revolutionär Neue an den Snowden-Enthüllungen? Es sind die Dimension der Überwachung und ihre Grenzenlosigkeit. Die NSA hört in Zusammenarbeit mit dem britischen Geheimdienst GCHQ nicht mehr nur terroristische, militärische oder gar politische Ziele ab, sondern uns alle, die Zivilgesellschaft. 500 Millionen Mal im Monat, alleine in Deutschland. Das ist nicht vergleichbar mit einer gezielten Abhöraktion, wie wir sie kennen. Dies betrifft alles und jeden und zwar nicht »aus Versehen«. Alles, was wir tun und sagen, wird beobachtet. Und doch sind es nicht die Geheimdienste, die sich … Weiterlesen

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