Archiv der Kategorie: Kontrollverlust

Informationelle Selbstzertrümmerung

/*** Im Februar habe ich einen Vortrag bei der Tagung „Diskurs der Daten“ an der Uni Leipzig gehalten, dessen Verschriftlichung ich hier nun endlich veröffentliche. ***/ Auf der so genannten Computers, Privacy & Data Protection-Konferenz (CPDP2016)1 im Januar 2016 in Brüssel gab Alexander Dix, scheidender Datenschutzbeauftragter des Landes Berlin anscheinend folgendes von sich: Das klingt erst mal gut, aufrüttelnd und irgendwie moralisch richtig. Bis man sich mit der Frage befasst, was denn das eigentlich sein soll, ein „Data Object“. Dazu ein Beispiel: Das Zitat fand seinen Weg zu mir in Form eines Tweets. Nicht aber eines Tweets von Alexander Dix. So weit ich weiß, benutzt er kein Twitter. Er ist in diesem Fall also selbst kein „Data Subject“. Der Tweet stammt viel mehr von Gabriela Zanfir, einer Mitarbeiterin beim EDPS. Sie zitiert Alexander Dix hier namentlich. Die Frage scheint mir also offensichtlich: Ist hier etwa Alexander Dix, ohne überhaupt Data Subject sein zu müssen, zu einem „Data Object“ geworden? Und führe ich diese Dataobjektivizierung durch das digitale Zitieren dieses Tweets nicht noch fort und erweitere die Datenobjektsammlung damit wiederum um Gabriela Zanfir selbst? Objektifizierung. Überall. Schlimm! So geht das die ganze Zeit. Die Rhetorik ist alarmistisch, die Geschehnisse banal. Irgendwas … Weiterlesen

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Game of Things

/******* Im Sommer fragte mich der großartige Christoph Engemann, ob ich nicht die schönsten Tage im Jahr damit zubringen wolle, einen ellenlangen Text für einen Reader zum Internet of Things zu verfassen. Da man zu Christoph Engemann nie nein sagt, habe ich natürlich zugesagt. Das Buch: „Internet der Dinge – Über smarte Objekte, intelligente Umgebungen und die technische Durchdringung der Welt“ (Werbelink) ist jetzt raus und sehr empfehlenswert. Es finden sich unter anderem Texte von Mercedes Bunz, Linus Neumann und Sebastian Gießmann darin. Mein Text versucht anhand von „Game of Thrones“ die wirtschaftswissenschaftlichen Grundlagen des Internet of Things zu erklären. Und weil Linus das auch gemacht hat, stell ich hier auch mal meinen Text zur Verfügung. Quasi als Werbung für das Buch. ********/ Vorrede Mit Friedrich Kittler hielt eine Neuerung innerhalb der Geisteswissenschaften Einzug, die wohl sein wichtigstes Vermächtnis bleibt: Das Interesse und die deutliche Einbeziehung von technischem Sachverstand in eine Disziplin, die bislang mit ihrer Technikferne und ihrer abstinenten und kritischen Haltung gegenüber technischen Neuerungen geradezu kokettierte. Dies war ein wichtiger Schritt, der die Medienwissenschaften in der Tiefe, wie sie heute praktiziert wird, erst ermöglichte. Natürlich würde heute niemand mehr abstreiten, dass technisches Design sowie die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten … Weiterlesen

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open!: The Kontrollverlust of the Nation-State and the Rise of the Platforms

/**** In letzter Zeit bekomme ich vermehrt Anfragen für Texte auf Englisch. Das macht mir zwar mehr Mühe, da ich nicht so erfahren bin, in dieser Sprache zu schreiben. Aber ich denke, es lohnt sich allein des anderen Leserkreises wegen. Hier ein Text, den ich für die Plattform „open!“ geschrieben habe. Es geht nur am Anfang einführend um den Kontrollverlust, der Hauptteil des Textes setzt sich mit der Politik von Plattformen auseinander. Eine kürzere Version einiger der Gedanken und Beispielen aus dem Text kann man auch auf Deutsch bei der Zeitschrift „Kunst und Kommerz“ des deutschen Kulturrates nachlesen. (Hier das PDF) ****/ The Kontrollverlust of the Nation-State and the Rise of the Platforms Since Wikileaks revealed large amounts of US intelligence to the public in 2010, most people are now more aware of the vulnerability of the nation-state: that it must keep it’s secrets safe in order to function. (At least, this is what the nation-state believes.) But as technology evolves, it seems less and less able to do so. [Weiterlesen >>>] Tweet/**** In letzter Zeit bekomme ich vermehrt Anfragen für Texte auf Englisch. Das macht mir zwar mehr Mühe, da ich nicht so erfahren bin, in dieser Sprache zu … Weiterlesen

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Plattformprivacy

Es wird immer offenbarer, dass die Antwort der Gesellschaft auf den Kontrollverlust die zentral gesteuerten Plattformen sind. Auffällig wurde dies spätestens seit Apple der Musikindustrie mit iTunes den Allerwertesten rettete und es wurde am deutlichsten, als Google mit ContentID einen Weg für Verwerter anbot, wie sie die unkontrollierbaren User-Uploads für sich vergolden konnten. Aber auch bei der Privatsphäre hat sich ähnliches ereignet. Aller Unkenrufe zum Trotz hat Facebook die Privatsphäre einfach als Privacy-Setting neu erfunden und in den geschlossenen Welten von WhatsApp und Snapchat werden ebenfalls ganz neue Formen von Privatheit erprobt. Die alte Vorstellung von Privatsphäre wird dabei natürlich ebenso über Bord geworfen („Informationelle Selbstbestimmung“, haha!), wie die alte Vertriebskanäle von Radio bis Plattenladen. Auf den Plattformen rüttelt sich etwas zurecht, das auf einer anderen Komplexitätsstufe dem Alten (Privatsphäre, Erlösmodelle) nah genug kommt, damit sich die Leute damit zufrieden geben. Eine besonders aufschlussreiche Blüte dieser Kontroll-Transition hin zu den Plattformen treibt derzeit im Journalismus. Facebook hat den Verlagen ein Angebot gemacht und viele springen auf. Sie sollen ihre Artikel im Volltext bei Facebook zum syndizieren abliefern und können dann an der Werbung mitverdienen und bekommen detaillierte Daten über ihre Leser. Auf ein solches Angebot einzugehen könnte direkt aus den … Weiterlesen

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Was ist eine Plattform? – Ein Neuanfang

Vor ein paar Tagen habe ich zusammen mit Sebastian Gießmann auf der re:publica einen Talk gehalten. Der Titel war „Von der Netzwerk- zur PLattformgesellschaft„. Neben vielen neuen Gedanken zu Plattformen und ihrer Rolle in unserer Gesellschaft habe ich mich auch an einer neuen Plattformdefinition versucht, die aber in der Kürze der Zeit etwas unterbelichtet blieb. Eine genauere Definition plus Erklärung will ich hier nachliefern. Aber ersteinmal der Talk: Selektion(-Entscheidung/-Option/-Prozess) Selektion bedeutet schlicht: so und nicht anders. Aus einem Raum an Möglichkeiten (Kontingenz) wird sich auf eine der Möglichkeiten (Selektionsoption) festgelegt (Selektionsentscheidung). Akkumulierte Selektionsentscheidungen können die anschließenden Selektionsoptionen so weit eingrenzen, dass wir von einem definierten Selektionsprozess (oder Schnittstelle) sprechen können. Plattformen Plattformen sind solche akkumulierten Selektionsentscheidungen, die für viele Interaktionsteilnemer/innen kohärente Selektionsprozesse bereitstellen (entweder durch zentrale Steuerung oder protokollarische Festlegung), um die Anschlussfähigkeit weiterer Selektionen zu ermöglichen. Netzwerkeffekte Die Plattform generiert Netzwerkeffekte in dem Maße, wie die vorgegebenen, kohärenten Sekektionsprozesse für möglichst viele Interaktionsteilnehmer/innen Selektionsoptionen eröffnet. Netzwerk und Plattform Netzwerk und Plattform sind keine sich ausschließenden Konzepte. Im Gegenteil. Plattformen ermöglichen Netzwerke, indem sie die Interoperabilität der Teilnehmer erst bewerkstelligen. Das gilt für das Internet genauso, wie für Facebook. Spielen wir das mal anhand der Vortragsbeispiele durch: Schon das Telefon, … Weiterlesen

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Warum wir eine Netzinnenpolitik brauchen

Gestern saß ich bei der Friedrich-Ebert-Stiftung auf einem Panel über Hate Speech und was wir dagegen unternehmen können. Ich hatte mir einige Vorschläge und Argumentationen zurechtgelegt, dabei aber nicht so recht bedacht, dass meine Mitdiskutant/innen ja vor allem SPD-Politiker/innen sein werden. Dass also erst einmal die Grundbegriffe geklärt werden müssen und worüber wir überhaupt reden. Ich habe dennoch meine Forderung nach einer Netzinnenpolitik anbringen können. Was meine ich damit? Die deutsche Netzszene hat sich formiert als zivilgesellschaftliche Verteidigung der Netzfreiheit gegenüber den Regulierungsbestrebungen der Politik. Überspitzt kann man formulieren, dass Netzpolitik die Selbstverteidiung des Netzes gegenüber seinen äußeren Feinden ist. Das war und ist eine wichtiger Kampf und er muss auch weiterhin gefochten werden. Doch wir haben nicht mehr 2009 und dieser Kampf wird zunehmend überschattet von internen Effekten und Phänomenen eines in der Zwischenzeit enorm gewachsenen Netzes. Das Netz ist jetzt überall und kennt kein richtiges Außen mehr (gut, bis auf SPD-Politiker/innen …) und immer größere und wichtigere Kämpfe finden bereits intern statt. Dort geht es aber nicht mehr um SPD gegen CDU (haha!), sondern zum Beispiel um die Maskulinistische/Antifeministische Szene gegen Feminist/innen. Um Mißverständnisse von Nichtkennern zu vermeiden: dieser Kampf geht weit über die alltäglichen Twitterscharmützel hinaus, sondern … Weiterlesen

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Die Impfgegner und die Krise der Institutionen

Vier Jahre ist das jetzt her, dass Gunter Dueck auf der re:publica 2011 seinen viel gefeierten Talk „Das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem“ hielt. Höhepunkt seines Vortrags („So jetzt kommt das schwere Geschütz“) war die Frage: „Glauben Sie nicht, dass wenn jemand eine Krankheit hat, dass er dann nach 2 Stunden surfen 10 mal mehr weiß, als sein Arzt?“ Ich aber saß in meinem Sitz und ich konnte mich der schlichten wie unaufdringlichen Logik dieser Frage nicht entziehen. Wir kennen das alle: 10 Ärzt/innen 12 Diagnosen. Jeder kennt Fälle, in dem eine Patient/in tatsächlich die Diagnose richtiger einschätzte als der/die Arzt/in. Und hier nun stand Gunter Dueck und gab eine einfache Erklärung. Das Internet enthält doch bereits alles Wissen. Wer genügend Motivation mitbringt, (und die fehlt Betroffenen selten), kann sich (zumindest in vielen Fällen) selbst besser diagnostizieren, als ein Allgemeinarzt, der im Zweifelsfall vor vielen Jahren mal irgendwo eine Vorlesung zum Thema wieder vergessen hat. Ich sehe Duecks Argument heute nicht widerlegt, aber es wird immer offenbarer, dass es mehr braucht, als nur Internet und Motivation. Etwas, was Dueck und auch ich damals implizit vorausgesetzt gesetzt haben: das Vorhandensein von kritischem Denken, eine gewisse wissenschaftsmethodische Bildung. Damit meine ich die Fähigkeit, kritisch … Weiterlesen

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Die Struktur geheimen Wissens und sein Staat

Gerade spielen sich in der Politik Szenen ab, die sehr gut Aufschluss darüber geben, wie die eigentliche machtpolitische Konstellation zwischen Geheimdiensten und den sie bezahlenden Staaten aufgebaut ist. Auslöser ist der NSA-Untersuchungsausschluss des deutschen Bundestages. Es war schon oft bemängelt worden, dass vertrauliche Informationen und Dokumente im Zuge der Untersuchung ans Tageslicht kamen. Nun aber macht einer der wichtigsten Partner des BND Ärger. Der britische GCHQ droht mit der Kündigung der Zusammenarbeit und nun wird befürchtet, dass der BND dem Untersuchungsausschuß aus diesem Grund Akten vorenthalten könnte. Wir sehen also einen BND, der zwischen seiner operativen Verpflichtung des Staates gegenüber, dessen Behörde er immer noch ist und der Loyalität zu seinen britischen Partnern hin und her gerissen ist. Wir sehen, dass eine Behörde ihre politische Aufsicht in Frage stellt. Und das ist doch … ganz interessant. Nun ist es keine Neuigkeit, dass das Konzept Geheimdienst strukturell der Funktionsweise eines demokratischen Staates widerspricht und dass institutionelle Kontrollversuche deswegen immer wieder scheitern. Die Notwendigkeit der Geheimhaltung zur Gewährleistung der Arbeit von Geheimdiensten ist die Sollbruchstelle seiner demokratischen Einbeziehbarkeit. Aber das ist nicht der einzige Grund. Die letzten Jahre wirkten weitere, externe Kräfte auf die besagte Konstellation und entfalteten eine enorme Sogwirkung auf … Weiterlesen

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Die neuen Cryptowars und die Plattformdämmerung

Derzeit scheinen wir gerade wieder in einen neuen Cryptowar hineinzuschlittern. Als Cryptowar wurde der Versuch der Regierungen, insbesondere der US-Regierung in den 90er Jahren bezeichnet, wirksame PublicKey-Verschlüsselungs-Software an ihrer Verbreitung zu hindern. Hacker und Aktivisten gingen damals so weit, auf Papier ausgedruckten und aus den USA importierten Quellcode händisch abzutippen. Die Regierung musste damals, vor allem auch aufgrund des Drucks aus der Wirtschaft, einlenken. Heute scheint es einen erneuten Vorstoß zu geben. Erst kam der britische Premier Cameron aus der Deckung, dann Obama und nun hat auch unser Innenminister de Maizière erste Andeutungen gemacht. Die Behörden sollen im Notfall auf jede Kommunikation zugreifen können. Die Gunst der Stunde nach den Anschlägen in Paris muss schließlich genutzt werden. Lässt man die Propaganda (und zwar von beiden Seiten …) mal beiseite und richtet lieber einen zweiten Blick auf das Timing und vor allem den Wortlaut der Formulierungen, kommt man nicht umhin, von den drei riesigen Elefanten Notiz zu nehmen, die da übergroß im Raum stehen. Ihre Namen sind iMessage, Hangout und WhatsApp und die Politiker geben sich auch nur wenig Mühe diese Adressaten zu verschleiern. Egal, was unsere snobistische Hackerauskenner erzählen („das kann ich nicht ernst nehmen, das ist nicht Open Source … Weiterlesen

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#PeGiDa und der Kontrollverlust

Als sich überall auf der Welt die Hashtagrevolutionen und -Proteste häuften und die Welt – vernetzt durch die neuen Medien – immer mehr in Aufruhr geriet, fragte ich mich, wann es wohl in Deutschland so weit sein würde und wie das dann aussieht. Dass es so hässlich werden würde, hätte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen können. … Nein. Zu dramatisch. Wenn man die Leute fragt, welches soziale Problem durch das Internet ausgelöst/verschärft oder sonstwie befördert wird, würden viele bis heute sagen: Datenschutz/der Verlust der Privatsphäre. Insbesondere in der Netzszene ist immer noch die Angst verbreitet, das Individuum würde durch die Überwachunsgmöglichkeiten der digitalen Technologien gegenüber den Institutionen untergebuttert werden. Dabei ist augenscheinlich das Gegenteil der Fall. Das Individuum und die Zivilgesellschaft haben durch die digitale Technologie eine neue, ungeheure Macht bekommen, die sich längst nicht mehr nur positiv auswirkt. … Nein, viel zu abstrakt. Heute, an der Schwelle zum Jahr 2015 ist es 10 Jahre her, dass ich das Bloggen für mich mich entdeckte. Erst noch lesend, ab Juni 2005 mit eigenem Blog. Bloggen war für mich immer die wahrgewordene Utopie der Publizistik: Jede/r, immer, alles. Alle Barrieren des Publizierens waren gefallen. Ihr wisst schon: Brechts Radiotheorie und so … Weiterlesen

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