Archiv der Kategorie: Plattformpolitik

Cambridge Analytica, the Kontrollverlust and the Post-Privacy Approach to Data-Regulation

There is a heated debate going on about Facebook and privacy since the revelations about Cambridge Analytica surfaced. The reaction is a cry for more privacy regulation. The European approach of the General Data Protection Regulation (GDPR), which will come into effect by late May this year, is seen by many as a role model for a much needed privacy regulation in the US. But they are wrong. I feel that there are a lot of misconceptions about the effectiveness of data protection in general. This is not surprising since there are few similar rules in the US and so the debate is based more on projections than on actual experiences. I want to add the perspective of someone who has lived long enough within a strict privacy regime in Germany to know the pitfalls of this approach. From this angle I want to reflect the Cambridge Analytica case regarding of how effective EU style privacy regulation would have been to prevent this event from happening. Jürgen Geuter has already published a very readworthy and detailed critic of the GDPR, but my angle will be more conceptual and theory driven. I will apply the theory of ‘Kontrollverlust’ to this case … Weiterlesen

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Vorschlag: Open Source als Plattformpolitik

„Sei doch nicht immer so negativ!“ wird mir manchmal vorgeworfen. „Immer bist du gegen alle möglichen politischen Maßnahmen, immer haben alle unrecht, aber was wäre denn nun die richtige Politik?“ Ich gebe zu, dass ich mich gerade bei (netz-)politischen Themen in einer gewissen Meckerposition eingerichtet habe – zumindest überwiegt sie unschön. Oft habe ich zum Beispiel festgestellt, dass Plattformen eine enorme Macht haben, aber sobald die Politik Maßnahmen vorschlägt, Plattformen zu regulieren, finde ich das auch wieder doof. Ja, was denn nun? Ja, ich habe in verschiedenen Texten (und auch schon in meinem Buch) gezeigt, dass staatliche Plattformregulierung sehr häufig gegenteilige Effekte als die Angestrebten produziert. Genauer: sie zwingen Plattformen politische Macht und Legitimation auf, die diese gar nicht haben wollen und machen Staaten im Gegenzug abhängig von der Regulierungsmacht der Plattformen. Aber als ich vorletztes Jahr als Sachverständiger im Bundestag war (schriftliche Stellungnahme als PDF, Video der Anhörung) habe ich auch einen konkreten Vorschlag gemacht, wie die Macht der Plattformen durch Staaten effektiv einzuhegen wäre, der damals meines Erachtens zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat. Deswegen will ich ihn hier etwas ausführlicher Ausbreiten: Der Staat muss sich mit der Open Source Bewegung kurzschließen, um selber Plattformanbieter zu werden. Nun gehöre … Weiterlesen

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Blockchain For Dummies

[German Version] The ‚blockchain‘ is currently being praised as a new miracle technology. The word appears six times in the German coalition agreement for the new government – and always in the context of new and promising digital technologies. But what is behind all this? Blockchain technology was born with its first popular application: Bitcoin. Bitcoin is based on the fact that all transactions made with the digital currency are recorded in a kind of ledger. However, this ledger is not located in a central registry, but on the computers of all Bitcoin users. Everyone has an identical copy. And whenever a transaction happens, it is recorded more or less simultaneously in all these copies. It is only when most of the ledgers have written down the transaction that it is considered completed. Each transaction is cryptographically linked to the preceding transactions so that their validity is verifiable for all. For instance, if someone inserts a fake transaction in between, the calculations are no longer valid and the system raises an alarm. What we’ve got, is a storage technology that no individual can control or manipulate. Early on, even bitcoin skeptics admitted that besides the digital currency itself, it is … Weiterlesen

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What Is Platform Politics? Foundations of a New Form of Political Power

/**** First published in ‘Zeitschrift für sozialistische Politik und Wirtschaft’ (SPW), S. 44 – 49. in December 2017. ****/ [PDF] [German Original] In early 2017, shortly after the inauguration of Donald Trump, the rumor began to spread that Facebook founder Mark Zuckerberg himself was planning to enter the presidential race in 2020. Following Trump’s victory, everything may seem possible, but this speculation was based solely on the so-called “Listening Tour”, Zuckerberg’s trip through the US, where he wanted to meet Facebook users in person.1 This rumor is only a symptom of the general lack of understanding of our times. For Mark Zuckerberg has long been a politician. He has an enormous impact on the daily lives of two billion people. He makes decisions that affect how these people get together, how they interact, even how they see the world. So Zuckerberg is already perhaps the most powerful politician in the world. Any job in traditional politics, including the office of US president, would be a step down. In this text, I will try to determine and analyze the ways in which platforms act politically, examining how they organize their power base and in which fields their policies are already changing … Weiterlesen

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Was ist Plattformpolitik? Grundzüge einer neuen Form der politischen Macht

/***** Für die Zeitschrift für sozialistische Politik und Wirtschaft (SPW) habe ich einen Artikel über Plattformpolitik geschrieben. Man kann ihn auch hier als PDF abrufen. *****/ Anfang des Jahres, kurz nach der Inauguration Donald Trumps, verbreitete sich das Gerücht, der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg plane seinerseits, 2020 als Präsidentschaftskandidat ins Rennen zu gehen. Nun ist es nachvollziehbar, dass man nach Trumps Sieg alles für möglich halten kann, jedoch beruhte die Spekulation lediglich auf der sogenannten „listening tour“, Zuckerbergs Reise durch die USA, bei der er „Facebook-User“ persönlich treffen wollte.1 Das Gerücht ist nur Anzeichen des allgemeinen Nichtverstehens unserer Zeit. Denn Zuckerberg ist längst ein Politiker. Er hat enormen Einfluss auf das tägliche Leben von zwei Milliarden Menschen. Er trifft Entscheidungen, die beeinflussen, wie diese Menschen sich zusammenschließen, wie sie miteinander umgehen, sogar wie sie die Welt sehen. Zuckerberg ist der vielleicht mächtigste Politiker der Welt. Jeder Job in der klassischen Politik – inklusive dem des US-Präsidenten – wäre eine Degradierung. In diesem Text möchte ich versuchen zu benennen und zu analysieren, wie Plattformen Politik machen, wie sie ihre Machtbasis organisieren und in welchen Feldern ihre Politik heute bereits die Welt verändert. Doch zunächst müssen wir drei Mißverständnisse über Plattformpolitik ausräumen. Drei … Weiterlesen

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Kabel, Protokolle, Plattformen und Tribes – Vier Strukturen des Internets

/**** Für die Architekturzeitschrift [ark] 2-2017 habe ich einen Text über Strukturen des Internets geschrieben. ****/ Das Internet ist vielschichtig und lange nicht nur das offenkundige World Wide Web, mit dem fast jeder täglich zu tun hat. Es gibt Millionen und Abermillionen Prozesse, die im Hintergrund ablaufen, und ständig bilden sich neue, oftmals ungeplante Strukturen, die zum Teil in erheblichem Maße unseren Alltag bestimmen und lenken. Michael Seemann gibt Einblick in eine Welt jenseits unserer Vorstellungskraft, von der wir so wenig wissen, obwohl ein Leben ohne sie unvorstellbar scheint. Ich klicke auf einen Link. Ein Bit wird zusammen mit einigen anderen vom Arbeitsspeicher meines Computers rüber in die Netzwerkkarte kopiert, wo es in ein Funksignal umgewandelt wird. In Lichtgeschwindigkeit hat es den WLAN-Router in der Abstellkammer erreicht, der es sodann durch das dicke Netzwerkkabel an das DSL-Modem weiterschickt. Dort wird das Bit in eine elektrische Frequenz verwandelt, einen Puls, der durch das Kupferkabel meiner Telefonleitung das Haus verlässt. Die vielen Leitungen aus den vielen Wohnungen aus den vielen Häusern aus dem Block versammeln sich schließlich im DSLAM, einem dieser hellgrauen, schulterhohen Hartplastikboxen, die so unscheinbar an der Straße stehen. Alle Daten aus den Häusern, aus den Wohnungen und den Routern … Weiterlesen

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Societies of Post-Control (Talk)

This was my opening keynote at the conference „Societies of Post-Control“ in January 2017 in Amsterdam. TweetThis was my opening keynote at the conference „Societies of Post-Control“ in January 2017 in Amsterdam. Tweet

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Netzwerkmacht: Macht in Zeiten der Globalisierung

In meinem recht populären Artikel „Die Globale Klasse“ attestiere ich ebendieser eine bestimmte Form von Macht. Es ist die Macht, Standards zu setzen und die Macht, die Moral zu definieren. An dieser Analyse haben sich einige gestoßen. Gerade, weil ich die globale Klasse so breit definiere – eben nicht einfach als „die Eliten“ – scheint die Macht, die sie haben, doch recht beschränkt. Mittellose Berlinhipster wie ich – so der Vorwurf – würden sich in dieser Analyse nur selbst überhöhen. Was für eine Macht soll das überhaupt sein? Und warum sind andere davon ausgeschlossen? Das sind alles berechtigte Fragen, denen ich mich in diesem Text stellen will. Macht ist ein komplexes Thema zu dem sehr viel kluge Dinge gesagt wurden, die ich hier nicht wiederholen will. Aber zur Sicherheit sei erwähnt, dass ich durchaus mit Max Weber, Foucault und Gramsci vertraut bin, behaupte aber, dass all diese Stimmen der Form der Macht der globalen Klasse nicht gerecht werden. Aber David Singh Grewal wird es.1 Er hat meines Erachtens die theoretische Grundlage zur Erklärung von Macht in Zeiten der Globalisierung und des Internets geliefert und es ist ein Unding, dass er noch nicht in allen Seminaren auf dem Lehrplan steht. Network … Weiterlesen

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Das Ende der Konsumentenrente oder Wert und Preis Teil III

Big Data verändert den Kapitalismus gerade grundlegend und zwar auf eine Weise, von der noch viel zu wenig gesprochen wird. Big Data macht sich auf, die Konsumentenrente zu bedrohen und das wird die gesamte Ökonomie völlig umkrempeln und zwar zu unser aller Nachteil, wenn wir nicht aufpassen. Aber bevor wir dazu kommen, erstmal eine kleine Rückblende. Was bisher geschah Dies ist gewissermaßen ein weiterer, ungeplanter Anschlusspost an meine Marxkritik1. Deswegen sei die noch mal zusammengefasst: Ich kritisiere die Arbeitswerttheorie von Marx, die besagt, dass der Wert einer Ware 1. sich aus der abstrakt geleisteten Arbeit, die zu ihrer Herstellung notwendig ist, herleitet und dass sich 2. dieser Wert in dem Preis der Ware ausdrückt. Wir haben hier also beides: eine Werttheorie und eine Preistheorie. Beide finde ich nicht überzeugend und ich habe dargelegt, warum. Ich diskutiere in dem Zusammenhang auch die konkurrierende, „bürgerliche“ Preis/Wert-Theorie namens Grenznutzentheorie, die besagt, dass der Wert nicht von der Anbieterseite, sondern von der Nachfrageseite bestimmt wird. Zumindest als Preistheorie finde ich sie ebenfalls nicht überzeugend. Mein Fazit: Was den Wert anbelangt, lehne ich das Konzept generell ab, da es keinerlei Entsprechung in der realen Welt und keine Aussagekraft über irgendwas hat. Was den Preis angeht, … Weiterlesen

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Die Gewalt der Plattform und der Preis des Postkapitalismus

Sascha Lobo hat vor einiger Zeit das Wort des Plattformkapitalismus geprägt. 1 Ich war damals sehr dankbar dafür, weil ich der Meinung war, dass es die Diskussion um die sogenannte „Sharing Economy“ wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Plattformen sind kapitalistische, wenn nicht sogar hyperkapitalistische Firmen, so war ich damals der Meinung, die auch in meinem Buch Ausdruck findet.2 Seit ich Paul Masons Buch Postkapitalismus gelesen habe 3, bin ich mir da aber nicht mehr so sicher. Nicht, dass ich Mason in allem zustimmen möchte, aber ich glaube, er hat einen Punkt, der nicht ganz wegzudiskutieren ist. Ich will mich hier vom Reflex befreien „Da fließt Geld, also ist das Kapitalistisch“ zu rufen und mich stattdessen in eine tiefere Analyse der Ökonomie der Plattform begeben, um noch mal grundsätzlicher nach dem postkapitalistischen Moment in der Plattformökonomie zu suchen. Vorsichtshalber sage ich es vorweg: das Aufspüren eines postkapitalistischen Moments ist nicht die Behauptung, dass heutige Plattformanbieter bereits jenseits des Kapitalismus operieren oder keine kapitalistischen Unternehmen seien. Es bedeute vielmehr, dass sie grundlegende Mechaniken ins Werk setzen, die nicht mehr kapitalistisch sind, die vielleicht sogar dem Kapitalismus als System und Funktionsweise gegenüberstehen. Und im weitestest aus dem Fenster gelehnten Fall: dass … Weiterlesen

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