Mentales Exoskelett

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Das ME ist ein Bild zur Beschreibung der Mensch-Maschine Konnektivität durch den alltäglichen Gebrauch von Echtzeit-Kommunikationsmitteln. Im Grunde ist es ein weitergedachtes „Extensions of Man„, wie es schon Marshall McLuhan formulierte. Die Idee ist folgende: Wenn wir andauernd Zugriff auf die wesentlichen sozialen und Wissensressourcen haben, dann wird sich unser mentales Modell unseres Geistes darauf einstellen.

Im Grunde ist es die positiv gewendete Schirrmacherthese, von der Veränderung des Gehirns und des Denkens. Durch den Erwartungswert ständig auf Information zugreifen zu können, brauche ich sie mir zum Beispiel nicht mehr merken. Vergleiche Wir brauchen eine europäische Suchmaschine. Das Gehirn hat also Ressourcen frei für anderes.

Das ME ist als Idee in der Frühzeit dieses Blogs entstanden, die lange Zeit nicht wirklich bewusst weiter getrieben wurde, aber unterschwellig immer mitschwang. Es gibt Anzeichen, dass sich das ändert und es noch zu konkreteren Ausarbeitungen kommt. Der erste Text zum Thema ist Wir, das Bücherregal, Twitter und mein mentales Exoskelett:

Die Extension meines Geistes ist heute erst wirklich spürbar. Die Medien werden so unmittelbar wie eine Prothese – oder eben ein Auto. Ich kann sie schwenken, wie einen Stock in der Hand, weil sie in Echtzeit auf mich reagieren. Wenn etwas derart zugänglich und allzeit bereit ist, fängt man unwillkürlich an, damit zu rechnen. So wie mein Denken die Referenzen meines Bücherregals mit einbezieht – also die bloße Möglichkeit jederzeit darauf Zugriff zu haben – verlässt sich mein Denken darauf, jederzeit die Antwort auf eine Twitterumfrage oder eine konkrete Wissensfrage zu bekommen.

In dem Text „What about us – Die Antiquiertheit des “Humanisten” wird diese algorithmische Mensch-Maschine Konnektivität gegen einen konservativen Menschenbegriff verteidigt:

Wir steigen gerade kollektiv in das große Flugzeug Kontrollverlust, ob wir wollen oder nicht. Wir sehen den Wandel, wir erahnen das Potential, die emanzipatorische Macht, die im Internet steckt. Wir wissen, dass wir, sobald wir uns dieser Maschine überantworten, keine Kontrolle mehr über Dinge haben werden, über die wir gewohnt waren, Kontrolle zu haben. Es ist ein merkwürdiges Gefühl für fast alle von uns. “Creepy”, wie man so schön sagt. Manche Menschen haben ihre Flugangst schließlich auch heute nie überwunden. Die Meisten steigen aber dennoch in das Flugzeug ein, weil sie wissen, dass es sich lohnt.

Etwas vage kann man sagen, dass die weitere Entwicklungsrichtung des Begriffs ME sich in dem Text „Warum wir Dinge ins Internet schreiben“ andeutet:

Funktionieren tut das, weil die Menschen, mit denen ich mich auf Social Networks connecte, mir – und allen anderen Kontakten – von sich aus und ungefragt Informationen über sich bereitstellen. Das leicht monadenhafte vor sich hinbrabbeln ohne einen direkt benannten Empfänger bei Twitter und Facebook ist das, was diese Form der Kommunikation so effektiv macht. Die jeweiligen Interessenten pullen sich die Informationen in ihren Stream und können so auf dem Laufenden bleiben. Anstatt, dass ich also mit jedem Einzeln meine Wehwehchen und Erlebnisse besprechen muss, stell ich sie zum Abruf bereit. Die Query macht den Rest.

Bezüge zu anderen Begriffen dieses Blogs:

– Das ME ist die Beschreibung der Schnittstelle zwischen Queryology und Mensch.
– Das ME ist das Instrumentarium, mit dem ich meine Distributed Reality anwende
– und somit meine Filtersouveränität ausübe.

2 Kommentare zu Mentales Exoskelett

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