Uebermorgen

Von allen Dummy-Formaten, die Blinkenlichten so raushaut, hat es mir Übermorgen am meisten angetan. Der erste Teil über die Zukunft der Werbung war schon sehr inspirierend.

Jetzt ist der zweite draussen und beackert gleich mein Fachgebiet. Die Zukunft der Privatsphäre. Ganz hervorragend durchdacht und verargumentiert, auch wenn ich mit dem Schluss nicht einverstanden bin. Aber seht erst mal selbst:

Dass man davon ausgeht, dass es in Zukunft überhaupt einen allgemeinen Wertekanon geben wird, an dem die Leute ihre Verhaltensweisen anpassen werden, halte ich für unwahrscheinlich. Wir erleben heute schon das Gegenteil: die Wertvorstellungen und Normen, die Handlungsweisen und Lebensstile all das diversifiziert sich entlang der Fragmentierung der Medienwelt schon seit den 70er Jahren aus.

Dieser Prozess wird durch das Internet noch wahnsinnig beschleunigt (was ja wieder andere Kulturpessimisten auch zu recht befürchten). Der große Mainstream löst sich zunehmend in Informationsnetzwerke auf, die sich selbst und untereinander Raum für eigene Lebenstilausprägungen bieten. Einen monolithischen Gesellschaftskorpus, der noch Handlungsweisen diktieren könnte und an dem sich ein wie im Film dargestellter Konformismus ausrichten könnte, wird dadurch unmöglich. (Siehe meine Argumentation hier)

Wahrscheinlicher ist, dass wir in unseren fragmentierten „Distributed Realities“ aufgehen werden, die unsere je individuellen und kaum abgrenzbaren Peergroups für uns bilden und die unsere Weltsicht filtern und aus denen wir somit auch unsere identitären Ressourcen beziehen.

Darüber hinaus ist der Film schon sehr gut.

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Ein Kommentar zu Uebermorgen

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