mspr0.de: Kontrollverlust, Sarrazin und OkCupid

Eines der ersten Opfer des Kontrollverlusts ist die Wahrheit. Wahrheit – hier als die eine, objektive, von allen geteilten und unzweifelhafte Wahrheit verstanden. (die es – klar – eh nie wirklich gab)

Ich will mich hier gar nicht erst in die Tiefen der Epistemologie verstricken, sondern es nur bei der Anmerkung belassen, dass wenn alle Daten mit allen anderen Daten verknüpfbar sind und die Art der Verknüpfung für jede Abfrage offen bleibt (der Kern der Kontrollverlustthese), werden Korrelationen aller Art herstellbar sein. Korrelationen die in den Händen dieses oder jenes Menschen, mal diese und mal jene These stützen. (Von der informationellen Segmentierung des gesellschaftlichen Diskurses durch bessere Filtertools mal ganz abgesehen. Hier wäre allerdings noch einiges zu sagen.)

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2 Kommentare zu mspr0.de: Kontrollverlust, Sarrazin und OkCupid

  1. Ich habe diesen Text heute erst gefunden, wollte aber gern noch eine Sache dazu loswerden:

    Ich glaube, dass das hemmungslose Korrelieren von Daten mit einem ganz eigenen Problem daherkommt. In der wissenschaftlichen Arbeit lernt man, dass vernünftige verwendbare Aussagen bei der Analyse von Daten nur dann entstehen können, wenn man bei der Analyse theoriegeleitet vorgeht. Heißt also, dass man sich zunächst – mittels ausführlichen Studiums bereits erzielter Erkenntnisse – eine möglichst genaue Vorstellung davon verschafft, welche Zusammenhänge man in einem bestimmten Bereich vermutet. Erst DANACH kann man auf Basis der vorliegenden oder dafür gesammelten Daten überprüfen, ob man den vermuteten Zusammenhang auch in den Daten findet. Findet man ihn, ist die Theorie, die man aufgestellt hat, nicht falsifiziert, kann also aufrecht erhalten bleiben, solange niemand sonst sie falsifiziert. Findet man ihn nicht, sollte man seine Theorie über Bord werfen und eine neue entwickeln.

    Die OkCupid-Leute und all die anderen, die wild mit Statistiktools und deren Daten um sich werfen, ignorieren diese Regeln, soweit ich das sehe. Damit besteht die Aufgabe wohl vor allem darin, der Öffentlichkeit besser zu vermitteln, was verantwortungsbewusster Umgang mit Daten ist. Zumal ja Rechenpower und Statistiktools mittlerweile auf jedem Handy zur Verfügung stehen. Oder?

  2. mspro sagt:

    Grundsätzlich würde ich dir zustimmen. Aber ich glaube, genau hier scheint sich eine massive Veränderung einzuleiten, die ich nicht per se verurteilen möchte. Lies mal bitte hierzu Kevin Kelly http://www.kk.org/thetechnium/archives/2008/06/the_google_way.php

    und den ganzen Diskurs hier über Big Data:

    http://www.edge.org/discourse/the_end_of_theory.html

    Das ist ganz abgefahrener Shit. Chris Anderson spricht schon vom „End of Theory“. Keine Ahnung wo uns das hinführen mag. Ein „aber die wissenschaftliche Methode funktionier aber anders“ reicht mir da nicht als Widerlegung.

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