Das neue Spiel – Nach dem Kontrollverlust

Seit einem Monat betreibe ich nun das Crowdfundingprojekt zu dem Buch, das ich zu schreiben vorhabe: »Das neue Spiel – nach dem Kontrollverlust«. Es ist jetzt schon das vierterfolgreichste Crowdfunding-Buchprojekt in deutscher Sprache. Und das, obwohl noch gar nicht so klar ist, was genau der Inhalt des Buches sein wird. Das möchte ich nun ändern und hier offenlegen, was ich vor habe. (Ich habe tatsächlich bis jetzt gebraucht das im Detail auszuarbeiten, deswegen kommt das so spät.)
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Hier zunächst die vorläufige Gliederung*:

Einleitung
Teil I. Kontrollverlust

Die drei Treiber des Kontrollverlusts

  • - Was ist der Kontrollverlust?
  • - Es gibt kein analoges Leben im Digitalen
  • - Streisand und ihre Schwestern
  • - Die Krankenakte des Tutenchammun

Das Ende der Ordnung

  • - Aufstieg und Fall des Archivs
  • - Die 3 Grundgesetze des Digitalen
  • - Queryology

Nach der Privatheit

  • - Was ist Post-Privacy?
  • - Diagnose, Utopie, Lebensstil
  • - Informationhiding als Mikropolitik

Die Krise der Institutionen

  • - Die Kontrollrevolution
  • - Das Partizipations-Transparent-Dilemma
  • - Weltkontrollverlust

Aufstieg und Funktion der Plattformen

  • - Vom Netz zu Google vs. Facebook
  • - Eigentum, Sex, Cloud
  • - Die Ökonomie und Ökologie der Plattform
  • - Regulierung und Schließung

Eine Utopie in Trümmern

  • - Hoffnung auf Holzwegen
  • - »Ich hab doch nichts zu verbergen«
  • - Game Over

Teil II. Das Neue Spiel

Neues Spiel, neues Glück

  • - Hashtagrevolution
  • - Die digitale Aufklärung
  • - Neues Spiel, neue Trolle

Umkehrung der Öffentlichkeit

  • - Distributed Reality
  • - Das radikale Recht des Anderen
  • - Filtersouveränität

Überwachung und Privatsphäre

  • - Überwachung und Post-Privacy
  • - Der Kampf gegen die Strafregime
  • - Die Antiquiertheit der Disziplinarregime

Plattformneutralität

  • - Politik in Zeiten des Kontrollverlusts
  • - Dezentrale Social Networks
  • - Das politische Denken der Plattformneutralität

10 Regeln im neuen Spiel

  • - 1. Man kann das Spiel nicht gegen den Kontrollverlust spielen.
  • - 2. Macht hat, wer die Plattform kontrolliert
  • - 3. Wissen ist, die richtige Frage zu stellen.
  • - …

Was tun als …?

  • - Politik?
  • - Staat?
  • - Gesundheitssystem
  • - Wirtschaft?
  • - politischer Aktivist?
  • - Privatmensch?

Nach dem Kontrollverlust

  • - Geht der Kontrollverlust vorbei?
  • - Digitaler Feudalismus
  • - Ein Tag im Jahr 2025
  • - Gesellschaftliche Singularität

Editional

* * * * * * * * * *

Das Buch gliedert sich als in zwei Hauptteile: Im Ersten geht es darum, den Kontrollverlust und was er mit der Welt macht, zu verstehen. Im zweiten Teil soll es darum gehen, aus diesem Wissen Regeln abzuleiten – das neue Spiel zu verstehen – um es zu spielen.

Teil I

Wir gehen sofort in medias res. In »Die drei Treiber des Kontrollverlusts« wird der Kontrollverlust anhand von Beispielen seiner Wirkung analysiert. Die drei Treiber: 1. die Verdatung der Welt, 2. die Beschleunigung der Datenströme und 3. die steigende Aussagekraft der Daten durch unvorhergesehne Verknüpfungen werden anhand von Beispielen wie dem Aufstieg und Fall von Wikileaks, den Programmen der NSA-Spionage, sowie anhand von Einzelbeispielen deutlich gemacht.
(Siehe dazu meinen SPEX-Artikel und Kontrollverlust)

Noch ist der Kontrollverlust eine These. In »Das Ende der Ordnung« wird daraus eine Theorie. Es wird die Entwicklung der Medientechnologie nachgezeichnet und gezeigt, wie seit Erfindung des Computers nicht mehr die Wirkung der Aufzeichnungsgeräte gesellschaftlich bestimmend ist, sondern wie sich mit dem Aufstieg der Query – der Abfragesysteme, wie moderne Datenbanken bishin zu Big Data – das Medienverhältnis auf dem Kopf stellt. Statt wie bisher die Ordnung des Wissens zu generieren und zu reproduzieren, kann die Query aus vergleichsweise unstrukturiertem Wissen in Echtzeit Ordnungen erschaffen. Ordnung ist somit nichts Statisches mehr, sondern geschieht im Augenblick der Abfrage.
(Siehe David Weinberger: das Ende der Schublade, Queryology)

Eine sehr offensichtliche Folge des Kontrollverlusts ist das Ende der Privatsphäre. Es gibt verschiedene Konzeptionen von Privatsphäre. Die meisten sind – spätestens seit Snowden – kaputt. In »Nach der Privatheit« fasse ich den aktuellen Diskurs zusammen, aber unterteile die Betrachtung in »Post-Privacy als Diagnose«, »als Utopie« und »als tatsächlichen Lebensstil«. Hier interessieren wir uns zunächst für Diagnose. Ich werde die Geschichte der Privatsphäre kurz anreißen und ihre Funktion in der bisherigen Gesellschaft darzustellen versuchen. Meine These: Die derzeitige Disruption der Privatsphäre wird nur deswegen hingenommen, weil auch ihre gesellschaftliche Funktion weitgehend obsolet geworden ist. Das gilt aber nicht für alle Aspekte des Privaten: ich zeige auf, wo und wie Privatsphäre weiterlebt, sogar hier und da zu einem herrschaftsstützenden Problem wird.
(Siehe auch David Brin: Transparent Society, Christian Heller: Prima leben ohne Privatsphäre und Post-Privacy)

Auf einer höheren Ebene wirkt der Kontrollverlust als eine »Krise der Institutionen«. Statt eingeschalteter Mittelsmänner/Stationen, ermöglicht es die Query Leute, Medien und Interessen direkt miteinander zu verschalten. Durch die daraus sich ergebende zusätzliche gesellschaftliche Komplexität geraten Ordnungsprinzipien, formale Prozesse und damit auch Macht unter Druck und werden unterlaufen, sogar bekämpft. Das hat durchaus prositive, aber auch viele negative Folgen, vor allem aber zwingt es die Gesellschaft dazu, neue Kontrollmechnismen auszuprägen.
(Siehe Dirk Baecker: Die nächste Gesellschaft, Beniger: The Control Revolution und auch Weltkontrollverlust)

Eines der wichtigsten Ergebnisse der gerade stattfindenden »Control Revolution« (Beniger) ist meines Erachtens der Aufstieg der Plattformen. Plattformen schaffen es – auf transnationaler und vergleichsweise informeller Ebene – zunehmend die Infrastruktur bereitzustellen, auf der Gesellschaft stattfindet. In »Aufstieg der Plattformen« zeige ich, wie die gesunkenen Transaktionskosten für Kommunikation dazu führen, dass sich zentrale Anbieter zur Vernetzung durchsetzen und sogar so wichtige Institutionen wie das Eigentum nach und nach überformen. Alles wird zur Plattform und Plattformen werden zum zentralen Kontrollparadigma der nächsten Gesellschaft. Plattformen gehorchen aber auch eignen ökonomischen Dynamiken, die es zu verstehen gilt und neue Gefahren gebären. Vor allem profitiert der Zentralismus ausgerechnet von den gesellschaftlichen Kontrollbedürfnissen gegenüber Informationen, das gilt sowohl für Urheberrechte, als auch für den Datenschutz.
(Siehe mein Vortrag auf der Openmind 13- aber auch die Vorträge zum Ende des Eigentums)

In »Eine Utopie in Trümmern« analysiere ich die bisherigen Heils- und Untergangsversprechen über das Netz und deren Status-Quo nach Snowden. Die Enttäuschung hat meiner Ansicht nach eine zentrale Ursache: die Erwartungshaltungen gegenüber den neuen Technologien beschränkten sich wie üblich darauf, zu glauben, dass durch das Neue das Bestehende verbessert würde: So wie die Musikindustrie sich über die CD freute, freuten sich die Demokratiefreunde über die Vernetzungsleistung der Internets. Alle samt mussten aber feststellen, dass das Neue nicht kam, um zu verbessern, sondern alles grundlegend zu verändern. Es kann dabei durchaus sein, dass alles erstmal schlechter wird, wenn das Alte seine Macht verliert und verzweifelt verteidigt und es für das Neue noch keine Strukturen und Verarbeitungsroutinen gibt. Solange sich die Gesellschaft also nicht auf das neue Spiel eingestellt hat. Genau da stehen wir.
(Am ehesten scheint die Richtung bei der Antwort auf Sascha Lobo durch.)

Teil II

Im Kapitel »Neues Spiel, neues Glück« breche ich mit der negativen Stimmung vom Ende des letzten Kapitels. Ich zeige, wie all die besprochenen Effekte des Kontrollverlusts auch Schönheit, Emanzipation, Wissen, Solidarität, Freiheit und Problembewusstsein geschaffen haben. Wie sie neue Wege ermöglichen, gesellschaftliche Fragestellungen neu zu beantworten. Wie insbesondere im politischen Prozess bereits grundlegende Fortschritte gemacht wurden und welche Potentiale da noch bereitliegen. Ich bringe einige der Beispiele, die zeigen, wie mithilfe des Netzes – und des in ihm enthaltenen Kontrollverlusts – politischer Aktivismus aufblühte und emanzipative Anstöße gelangen.
Ich möchte aber auch zeigen, wie aus dieser erhöhten politischen Komplexität auch neue Problemfelder entstehen. Trolle, Maskulinisten und Nazis nutzen ebenfalls das Netz als Strukturverstärker und machen das Leben vieler zur Hölle. Gleichzeitig differenzieren sich auch politisch, emanzipative Positionen so weit aus, dass sie sich immer weiter segmentieren. Mit anderen Worten: die Komplexität steigt erheblich.
(Siehe meinen Vortrag auf der SigInt 13: Why We Fight (Each Other))

In »Umkehrung der Öffentlichkeit« zeige ich, wie die Ursache des Problems gestiegener Komplexität gleichzeitig deren Lösung ist. Im Zeitalter immer billiger werdender Speicher und immer mächtiger werdender Querys verändert sich unser Verhältnis und unser Anspruch an Öffentlichkeit. Eli Parisers Problematisierung der »Filterbubble« ist nichts anderes als die Beschreibung einer gesellschaftlich notwendigen Ausdifferenzierung mithilfe von technischen Mitteln. Wir können nicht mehr das ganze Bild im Blick haben, wir können nicht mehr jedem Diskurs folgen und jedem da draußen zur Antwort bereitstehen. Und wir müssen es auch nicht mehr. Mithilfe der Query wird Öffentlichkeit individualisiert. Das ist gut und notwendig um die gestiegenen Komplexität zu bewältigen, bereitet aber durchaus neue Probleme. Ich leite dennoch daraus ein unbedingtes Recht auf Filtersouveränität ab, das vor allem eine radikale Forerung an Informationsfreiheit beim Bereitsteller von Informationen vorsieht.
(siehe auch: Eli Pariser: Filterbubble und meine Ideen zur Filtersouveränität)

In »Überwachung und Privatsphäre« widme ich mich einer überkommenen Erzählung, nämlich, dass Überwachung und Privatsphäre miteinander verschränkte Antagonisten seien. Dem ist nicht so: Weder schafft es die Privatsphäre adäquat vor Überwachung zu schützen, noch zielt Überwachung nur auf die Privatsphäre ab. Der Kampf gegen Überwachung ist wichtig, darf sich aber nicht auf den untauglichen Versuch beschränken, die Privatsphäre wieder herstellen zu wollen. Überwachung muss dort angegriffen werden, wo ihre Auswirkungen die Menschen tatsächlich beschränken – im Privaten wie im Öffentlichen: beim Disziplinarregime. Am Ende ordne ich den Kampf gegen Überwachung ein, in den Kampf gegen überkommene Kontrollstrukturen des alten Spiels: die Disziplinargesellschaft geht dem Ende zu, Überwachung wie wir sie kennen, ist ein Auslaufmodell. (Achtung: das heißt nicht, dass sie verschwinden wird, sondern nur, dass sie eine immer unwichtigere Rolle im Machtgefüge spielen wird.)
(Siehe zum Beispiel Post-Privacy und Anti-Überwachung)

Im ersten Teil habe ich Plattformen als den Mittelpunkt der neuen Kontrollregime beschrieben. Auch sie müssen eingehegt werden durch politische Prozesse. Im Kapitel »Plattformneutralität« sollen Wege aufgezeigt werden, wie das gehen kann. Im ersten Schritt geht es um eine Ausweitung des Konzeptes der Netzneutralität auf die Plattformen. Das Ziel müssen meiner Meinung nach dezentralere, unkontrollierbarere Strukturen sein, die diskriminierungsfreien Zugang und Kommunikation für alle bedeuten. Dazu will ich ein paar konkrete Vorschläge machen. Im zweiten Schritt soll es darum gehen, Plattformneutralität als politisches Konzept auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen tragfähig zu machen. Insbesondere im Kampf gegen die Disziplinarregime, ist Plattformneutralität ein gutes Tool, um die Abhängigkeiten der Leute gegenüber Mächten aller Art zu verringern und so auch Überwachung zu bekämpfen.
(Siehe auch Plattformneutralität)

Das Neue Spiel ist in seinen Grundzügen nun genug skizziert, um daraus konkrete Regeln ableiten zu können. In »10 Regeln im neuen Spiel« schreibe ich also die grundlegendsten Regeln auf. Drei habe ich ja bereits in meinem Video genannt: 1. Man kann das Spiel nicht gegen den Kontrollverlust spielen. 2. Macht hat, wer die Plattform kontrolliert. 3. Wissen ist, die richtige Frage zu stellen. Weitere werden lauten: Informationskontrolle stärkt Zentralisierung, etc.
(Eine frühe Version findet sich bei den 10 Thesen zum neuen Spiel)

Ich möchte die Leute aber nicht nur mit abstrakten Spielregeln zurücklassen, sondern auch konkrete Ratschläge geben. Das tue ich in »Was tun als …?«. Dort übersetze ich die Regeln des neuen Spiels für verschiedene gesellschaftliche Bereiche, von der Wirtschaft, über den Aktivismus bis zum privaten Individuum. Ich erkläre, warum wir mithilfe der schwindenden Macht des Staates noch umbedingt grundlegende Richtungsänderungen einleiten müssen. Z.B. brauchen wir ein diskrimisuerungsfreies Gesundheitssystem, vollkommen trnasprarente politische Prozesse, ein grundlegendes Umdenken in Einreise und Zuwanderungspolitik, ein internationales Abrüstungsabkommen für Geheimdiente, etc. Auf aktivistischer Seite brauchen wir den Datascientist-Hacker, einen informierten Pragmatismus beim Einsatz von Social Media und Datentechnologie, und realistische Zielsetzungen. Das Individuum sollte sein Leben auf relative Autonomie zu ihn kontrollierenden Mächten auslegen, hat dazu aber auch neue Möglichkeiten. Die Gesellschaft sollte die Chance nutzen, dass diskriminierende Strukturen gegenüber den Bedürfnissen von Minderprivilegierten im neuen Spiel sichtbarer werden und sie aktiv bekämpfen.

In »Nach dem Kontrollverlust« gebe ich einen Ausblick auf die Gesellschaft der Zukunft. Eine Gesellschaft, die keine falschen Erwartungen mehr an die Kontrollmechanismen in der Gesellschaft stellt, sondern das neue Spiel spielt. Ich kann aber nicht sagen, dass es ein optimistischer Ausblick wird. Ich versuche, die neuen Chancen genau so wie die neuen Risiken zu adressieren. Zunächst, so befürchte ich, arbeiten wir uns durch eine Phase des digitalen Feudalismus. Noch sind die Plattformbetreiber die Großgrundbesitzer und wir ihre Kommunikationsleibeigenen. Ich glaube aber, dass die Entwicklung dort nicht stehen bleiben wird und wir im Jahr 2025 bereits eine ganz andere Welt bewohnen, die ich beschreiben will. Ich versuche mich da an einer Art Science-Fiction. Zum Schluss gebe ich einen Ausblick auf das, was ich mal »Gesellschaftliche Singularität« genannt habe. Das ist der Zustand, wenn die Gesellschaft auch auf individueller Ebene funktioniert, ohne, dass wir noch verstehen könnten, wie; wir aber dennoch genug Vertrauen in diese Prozesse haben, uns in sie fallen zu lassen.

* Natürlich kann sich da noch viel ändern, aber im groben sind das die geplanten Kapitel.


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Aktuelle Probleme der Plattform- UND Netzneutralität

Der Begriff “Plattformneutralität” ist nicht neu und wurde auch nicht von mir erfunden. Es ist ursprünglich ein technischer Begriff, der besagt, dass zum Beispiel eine bestimmte Software oder ein Medienformat sowohl auf dem einen, als auch auf dem anderen Betriebssystem funktionieren. Dieses “Multihoming” wie man das auch nennt, ist mit der politischen Idee der Plattformneutralität, wie ich sie schließlich formuliert habe, durchaus konform, weshalb ich diese Referenz bewusst in Kauf genommen habe. Meine Idee von Plattformneutralität ist quasi eine politische Weiterfassung des Begriffs.

Der aktuelle Koalitionsvertrag bezieht sich auf Seite 134 eindeutig auf den politischen Plattformneutralitätsbegriff, weswegen ich die darin vorgeschlagenen Regelungen nicht unkommentiert lassen kann. Hier die betreffende Stelle:

Die Koalition will faire Wettbewerbschancen für alle Medienanbieter. Deshalb wollen wir die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen privatwirtschaftlicher Medienproduktion stärken. Sie setzt sich für das Prinzip der Plattformneutralität ein, d. h. bei Distributionsplattformen für Rundfunk und Telemedien insbesondere bei marktbeherrschenden Plattformbetreibern sind eine diskriminierungsfreie Informati- onsübermittlung und der neutrale Zugang zu Inhalten sicherzustellen. Private und öffentlich-rechtliche audiovisuelle Medienangebote und journalistisch-redaktionelle Inhalte, die einen Beitrag im Sinne des Public Value leisten, sollen einen diskriminierungsfreien Zugang zu Distributionswegen und eine herausgehobene Auffindbarkeit erhalten.

Marcel Weiss sieht darin den Versuch der Presseverlagslobby bei Google und Facebook etc. bessere Platzierungen in Suchergebnissen und mehr Sichtbarkeit im Nachrichtenstrom zu erzwingen. Ich finde, das gibt der Text so nicht her. Die Plattformneutralität wird hier mit den Worten “diskriminierungsfreie Informationsübermittlung und der neutrale Zugang zu Inhalten” durchaus in dem Sinne gebraucht, wie es gedacht war. Das einzige, was den gegenteiligen Eindruck erwecken kann, ist die “herausgehobene Auffindbarkeit“, die die journalistischen Inhalte erhalten sollen, was der kurz vorher genannten Diskriminierungsfreiheit allerdings diametral widerspricht. Die Formulierung kann im Zweifel für solche Zwecke missbraucht werden, aber der Text bezieht sich doch überwiegend auf die Diskriminierungsfreiheit als Prinzip, weswegen ich das erstmal als Unsauberkeit abtue.

Ich glaube nämlich, dass es um etwas anderes geht: Die Plattformneutralität soll als eine Art Addon des Leistungsschutzrechts implementiert werden, welches diesem erst Wirkung verleiht.

Was bisher geschah: Das Leistungsschutzrecht für Presseverleger ist da und es nützt den Verlagen bislang herzlich wenig. Google hat getan, was aus ihrer Sicht das einzig sinnvolle ist: sie haben alle Verlagsangebote aus dem Index geworfen und sie danach freiwillig wieder in-opten lassen. Was bei den Nutzern und ihrem Datenschutz funktioniert, funktioniert auch bei Presseverlagen und ihrem Leistungsschutzrecht. So weit, so ärgerlich für die Verlage.

Mit einer gesetzlichen Regelung zur Plattformneutralität – das heißt, der Sicherung eines “diskriminierungsfreien Zugang zu Distributionswegen” bei “marktbeherrschenden Plattformbetreibern” wäre das Spiel ein anderes. Der Gesetzgeber würde Google dazu zwingen, alle Presseerzeugnisse zu listen, egal ob diese Google dafür eine Rechnung schicken oder nicht. Ein solches Gesetz könnte Google und andere Plattformbetreiber dazu zwingen, kostenpflichtige Verträge mit den Verlagen einzugehen. Also genau das, was Döpfner und Keese sich immer erhofft hatten.

Jetzt habe ich ein Problem. Ich würde gerne behaupten, dass die große Koalition die Plattformneutralität nicht verstanden hat oder sinnentstellt implementieren will. Dann könnte ich hier den Beleidigten spielen und sagen, dass die alle zu doof sind für das Konzept. Aber das stimmt nicht. Wenn man von der Formulierung der “herausgehobenen Auffindbarkeit” mal absieht, klingt der Entwurf durchaus konform mit meiner Definition, die ich gerade erst in einem detaillierten Vortrag (Video, ziemlich weit am Ende) hergeleitet und ausgearbeitet habe:

1. Eine Plattform ist eine gesellschaftlich relevante, konsistente Infrastruktur, anhand derer kommunikative Handlungen vollzogen werden und sich Strukturbildungen vollziehen. *
            * (Strukturbildungen meint hier die Verstetigungen von sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen, medialen oder technologischen Emergenzphänomen, die auf Grundlage der Plattform entstehen.)

2. Neutral ist eine Plattform, wenn sie es bewerkstelligt, alle zu einer gegebenen Zeit möglichen kommunikativen Handlungen zuzulassen und gleichartige kommunikative Handlungen gleich zu behandeln. **
             ** (Gleicher Art sind kommunikative Handlungen, wenn sie für den/die Endanwender*in den selben Zweck erfüllen.)

Im vorliegenden Entwurf geht es um die kommunikativen Handlungen der Presseverlage und die sind untereinander – gemessen an dem Nutzen des Endnutzers (und nur das zählt!) – tatsächlich gleich. In meiner Definition muss es egal sein, ob Sueddeutsche, Welt, taz oder dieses Blog: alle sollen diskriminierungsfrei bei Google und Facebook vorkommen und nach den selben Algorithmen gewichtet werden, denn sie alle dienen dem selben Zweck: der Nachrichtenversorgung/Unterhaltung/Bildung, etc.

Die Forderung aus dem Koalitionsvertrag kann man mit recht als “plattformneutral” bezeichnen. Und dennoch ist sie falsch. Das Problem ist nämlich, dass die Unwucht bereits im Leistungsschutzrecht liegt und mit der Plattformneutralität besiegelt werden soll. Das Presse-Leistungsschutzrecht ist ungerecht und alles andere als eine plattformneutrale Einrichtung. Unter normalen Marktverhältnissen aber ist diese Ungerechtigkeit egal, wie wir gesehen haben, weil Google seine Vertragsfreiheit dazu nutzt, einfach keine kostenpflichtigen Deals einzugehen, die Verlage aber von Googles Traffic abhängig sind. Mit einer gesetzlichen Plattformneutralität aber kann man das ungerechte Leistungsschutzrecht erst richtig durchsetzen, denn es gäbe (nach meiner Definition) kein Argument für Google, einzelne Medien zu diskriminieren. Ob sie wollen oder nicht: sie müssten die Deals mit den Verlagen eingehen, egal zu welchem Preis.

Abstrakt formuliert liegt das Problem hier: Dadurch, dass die Plattformneutralität strikt immer nur auf der ihr eigenen Ebene wirkt – hier: die Ebene der Distribution zum Endnutzer – ist sie unfähig Unwuchten, die sich aus anderen Ebenen ergeben – hier: Zahlungsforderungen beim Informationsproduzenten, legitimiert durch das Leistungsschutzrecht – auszugleichen, sondern setzt sie blind durch.

Nun würde ich mir durchaus den Schuh anziehen, diese strukturelle Schwäche und dieses Szenario nicht gesehen zu haben. Aber ich bin nicht allein. Ich habe das Konzept ja von der Netzneutralität geklaut, weswegen es durchaus sinnvoll ist, probehalber einen ähnlich gelagerten Fall zu eruieren:

Stellen wir uns vor, wir hätten gesetzlich geregelte Netzneutralität (Und alle so Yeah!) Alle Daten müssen von den ISPs neutral (im oben geschilderten Sinne) zu den Endkunden distribuiert werden. Nun kommt Google auf die Idee, dass seine Dienste und Daten ja wohl um einiges besser sind, als die der meisten anderen Anbieter und will nun Geld von den Carriern und Providern dafür verlangen.

Ich jedenfalls kenne keine Regelungen, die ihnen das verbieten würden. In der gegenwärtigen Situation allerdings würden die Provider Google den Vogel zeigen und es wahrscheinlich auf einen Machtkampf ankommen lassen. Mit einer gesetzlich verpflichtenden Netzneutralität hätten sie keine Chance sich zu wehren. Sie müssten Google die Daten zu jedem Preis abkaufen.

Liege ich damit richtig, oder habe ich was übersehen? Hat im Zuge der Netzneutralitätsdiskussion eigentlich schon mal jemand ein solches Szenario bedacht?

Ich bin etwas ratlos an dieser Stelle. Well trolled, kann ich da nur der großen Koalition und der Verlegerlobby zurufen. Dann müssen wir wohl noch mal ran, an das Reißbrett und zwar bei beidem: Netz- und Plattformneutralität.


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zkmb.de: Kontrollverlust und Kunst – Ein Werksbericht

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Im Laufe der Jahre, in der die Thesen zum Kontrollverlust die Runde machten, erreichten sie immer mal wieder auch die Kunst. Kunst – sofern sie es als ihre Aufgabe sieht, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen zu reflektieren – arbeitet sich auch gerne an aktuellen Theorien ab. Und so wurde ich hier und da angesprochen, um mitzudenken, mitzuschreiben und mitzuarbeiten. Hier eine Art Werksbericht über diese Berührungspunkte:
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Herr KEINER leidet am KEINERSyndrom. Eines der vielen Symptome dieser Krankheit ist, dass Herr KEINER nicht mehr selbstständig entscheiden kann, was privat und was öffentlich ist. Seine Daten breiten sich unkontrolliert aus und haben das Haus befallen. Ich weiß, sie wollen sich das jetzt anschauen aber das ist nicht ganz ungefährlich. Das KEINERSyndrom ist hoch ansteckend! Zu ihrem Schutz und dem von Herrn KEINERs Privatsphäre wurde staatlicherseits ein Datenschützer – also ich – bereitgestellt. Ich darf Sie also darum bitten, meinen Anweisungen folge zu leisten, vor allem im Interesse von Herrn KEINER aber auch im Interesse der öffentlichen Ordnung.“

Abb. 2: Foto: Ingolf Keiner

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Zeit.de – Die Privatsphärenfalle

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Manchmal kommen die Erkenntnisse in der falschen Reihenfolge. In der SPEX hatte ich vor ein paar Wochen den alternativen Weg beim Kampf gegen Überwachung in der Post-Snowdenzeit aufgezeigt: Das neue Spiel. Aber erst jetzt – nach der Bundestagswahl – wird endgültig klar, warum der bisherige Diskurs über Überwachung in eine Sackgasse geführt hat. Darüber habe ich auf Zeit Online geschrieben.
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Es muss als historischer Zufall gewertet werden, dass die diesjährige Bundestagswahl mitten in den größten Datenschutz-Skandal der Weltgeschichte fiel. Potenziell alle Internetdaten werden in Echtzeit gescannt, gespeichert und ausgewertet. Daten aus Social Networks werden in Massen weitergegeben, verschlüsselte Verbindungen werden geknackt oder umgangen. 2013 wird als das Jahr der Datenschmelze in die Geschichte eingehen.

Zur gleichen Zeit läuft die bundesrepublikanische Presselandschaft zur Höchstleistung auf. Sie setzt den Überwachungsskandal immer wieder ganz oben auf die Tagesordnung, berichtet scharf und detailliert, monatelang, in ungeahnter Qualität und kritischer Haltung.

Während all dem tut die Bundesregierung: nichts. Es gibt ein paar Appelle, ein Besuch des Innenministers in Amerika, ansonsten Rechtfertigungen, peinliche Ausrutscher, Beschwichtigungen und Lügen. Selbst Angela Merkel, sonst die ruhige Managerin im Hintergrund, kommt zum ersten Mal ins Schleudern. Und das mitten im Wahlkampf.

Das Ergebnis: Die Union erringt einen historischen Sieg. Alle Oppositionsparteien sind geschwächt, die FDP ist draußen, die Piraten, die als einzige den Überwachungsskandal in den Wahlkampfmittelpunkt stellen, erleben ein Desaster. Ein weiterer Wahlverlierer: die Netzszene und ihr Kampf gegen die Überwachung. Ihre Themen wurden über Nacht für politisch irrelevant erklärt.

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SPEX: Das neue Spiel: Prism vs. Kontrollverlust

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Der lange Artikel für die SPEX, in dem ich einerseits versuche die Snowdenenthüllungen im Kontext des Kontrollverlusts zu lesen und andererseits nach Wegen aus diesem Dilemma suche, ist nun erschienen.
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Eigentlich sind die Enthüllungen von Edward Snowden alles andere als überraschend. Bei Anne Will sagte der Politikberater Andrew B. Denison es ganz unverblümt: Geheimdienste seien dafür da, die Gesetze anderer Staaten zu übertreten. Er hat damit nicht unrecht, so zynisch diese Einsicht auch klingen mag. Wir wussten immer, dass Geheimdienste Regierungen, Terroristen, Militärs bespitzeln, und wir machten uns keine Illusion darüber, ob sie sich dabei an die hiesigen Gesetze halten würden. Für diese Erkenntnis reicht auch rudimentäres James-Bond-Wissen. Was also ist das revolutionär Neue an den Snowden-Enthüllungen?

Es sind die Dimension der Überwachung und ihre Grenzenlosigkeit. Die NSA hört in Zusammenarbeit mit dem britischen Geheimdienst GCHQ nicht mehr nur terroristische, militärische oder gar politische Ziele ab, sondern uns alle, die Zivilgesellschaft. 500 Millionen Mal im Monat, alleine in Deutschland. Das ist nicht vergleichbar mit einer gezielten Abhöraktion, wie wir sie kennen. Dies betrifft alles und jeden und zwar nicht »aus Versehen«. Alles, was wir tun und sagen, wird beobachtet.

Und doch sind es nicht die Geheimdienste, die sich verändert haben. Es ist die Technologie. Geheimdienste sollen Informationen beschaffen. Das taten sie zu allen Zeiten, und schon immer tun sie es mit den Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen. Diese Mittel waren vor 30 Jahren angezapfte Telefonleitungen und Tonbandgeräte. Heute sind es eben gesplicete Glasfaserkabel und Rechenzentren. Die Reichweite der Geheimdienste wuchs mit ihren Möglichkeiten. Die Echtzeitüberwachung eines Großteils der Weltbevölkerung ist zur überbordenden Realität geworden. Weil es geht.

[Weiterlesen auf SPEX.de >>>]


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Weltkontrollverlust Visualisierung

Unter dem Label “Weltkontrollverlust” versuche ich die makrosoziologischen Effekte des Kontrollverlustes auf die Welt zu beschreiben. Aber alle Worte, die ich bislang fand, schaffen den Punkt nicht so gut herüber zu bringen, wie diese Infografik.

Gezeigt werden die letzten 250 Millionen weltweiten Proteste seit 1979. Die Punkte geben den Ort des Protestes an, deren Ausdehnung ihre Größe.

via


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10 Thesen zum Neuen Spiel

SPEX_No347_Cover_Umschlagbogen_v02.inddIch habe einen langen, sehr langen Text für die SPEX geschrieben (Ab S. 116), über die Abhöraffaire und wie sie mit den Entwicklungen, die ich vor einigen Jahren unter dem Label Kontrollverlust zusammengefasst habe, zusammenhängt. Denn im Grunde ist ja nichts passiert. Geheimdienste machen das, was sie immer gemacht haben, sie besorgen Informationen. Nur sind das, was früher Telefonkabel und Tonbandgerät waren eben heute Glasfaser und Rechenzentrum. Die Macht der NSA beruht darauf, dass sie auf genau jenen Kräften surft, die ich als die Treiber des Kontrollverlustes ausgemacht habe.

Zum Ende einer langen, düsteren Analyse komme ich dazu, Lehren aus dem NSA-Fall zu destillieren. Ich weiß, das alles ist noch nicht verarbeitet und ich haue voll rein in die allgemeine Prism-Depression. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle eine Triggerwarnung aussprechen? Jedenfalls habe ich jetzt, mit etwas Abstand, meine Überlegungen dazu wie es jetzt weitergeht noch mal erweitert und will sie hier als 10 Thesen zur Diskussion stellen.
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23andme: Wie ich für todkrank erklärt wurde und mich wieder gesund debuggte

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In den Feuilletons dieses Landes wird ja immer gerne über “die Algorithmen” geschimpft, die unser Leben bestimmen und furchtbar böse sind. All diese Artikel zeichnen sich durch eine bodenlose Unkenntnis der Materie aus, die sich in der Undifferenziertheit ihrer Analysen niederschlägt. Das ist schade, denn nichts bräuchte es dringender als kompetente und entschiedene Algorithmenkritik. Heute habe ich die Ehre, meinen ersten Gastautor begrüßen zu dürfen. Lukas F. Hartmann (@mntnm) ist Programmierer, Startupgründer und wie ich 23andme-Kunde, nur schon ein paar Jahre länger. Er hat eine spannende Geschichte zu erzählen, die wirklich zu denken geben sollte.

Update 25.07.13: Dank konstruktiver technischer Kritik von @moeffju haben wir den Absatz 2 etwas überarbeitet. Dort ist jetzt nicht mehr von einer “Genpool-Norm” die Rede, sondern vom Referenzgenom.
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Prism und eine düstere Post-Privacy-Prognose

Ich habe für ZEIT Online einmal aufgeschrieben, was Prism aus Sicht der Post-Privacy-Lebensführung bedeutet. Darin erkläre ich auch, dass es ein historisches Mißverständnis ist, in Daten nur immer das Belastende zu sehen:

Wir haben Daten lange Zeit für böse gehalten, denn anhand von Daten können wir in Verdacht geraten. Daten können uns belasten, uns sogar ins Gefängnis bringen. Das stimmt auch, aber es ist nur die eine Seite der Medaille. Dass wir diese einseitige Sicht auf Daten haben, liegt an der historischen Besonderheit, dass Datenverarbeitung lange Zeit nur und ausschließlich von großen Institutionen wie Staat und großen Unternehmen betrieben wurde. Das hat sich nun geändert, seit einigen Jahren sammeln, tauschen und verarbeiten wir alle Daten jeden Tag – und jeden Tag ein bisschen mehr.

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Ego: die eierlegende Wollmilchsau des Bösen

Dieses Blog gäbe es ohne Frank Schirrmacher nicht. Er schlug mir vor, für die FAZ zu bloggen. Ich dachte mir ein Konzept aus und legte los: der CTRL-Verlust war geboren. Der Rest ist Geschichte. Auf eine gewisse Art war der CTRL-Verlust auch immer eine kontinuierliche Antwort auf die Thesen in Schirrmachers Buch Payback. Antworten, die Schirrmachers Thesen nicht negierten, sondern umdeuteten – versuchten, das emanzipative Potential aus dem Kontrollverlust herauszuarbeiten. Payback war kein gutes Buch, aber zu seiner Zeit ein wichtiges (Hier meine damalige Rezension). Nun ist der Nachfolger erschienen, das nächste Schirrmacherbuch, der nächste Hype: “Ego – Das Spiel des Lebens“.

In gewisser Weise knüpft Ego tatsächlich inhaltlich an den Vorgänger an. Immer noch geht es um die Algorithmen. Immer noch werden wir fremdbestimmt von den Maschinen, diesmal aber nicht mehr abstrakt, sondern konkret. Schirrmacher hat sich Algorithmen herausgepickt, die er für unsere derzeitige Situation verantwortlich macht: die Algorithmen, die auf der Spieltheorie aufbauen und vornehmlich in der Finanzwirtschaft zum automatisierten Handel verwendet werden. Und wenn er es dabei belassen hätte, dann hätte auch ein vernünftiges Buch bei herauskommen können. Aber Schirrmacher reichte das nicht.

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