Archiv des Autors: mspro

Wikileaks und eine postbaudrillardsche Frage der Informationsethik

„On Wednesday we clean up Qatanah, and on Thursday, God willing, we come home,“ schrieb ein israelischer Soldat in seinen Facebookstream und offenbart damit Details eines bevorstehenden Kampfeinsatzes im Palestinensergebiet. Die Operation musste darauf hin abgesagt werden. Der Soldat wurde für zehn Tage eingesperrt. Was wäre ein Krieg in Zeiten des Kontrollverlustes?

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Distributed Reality oder „Mach dir doch n Fork von mir!“

Vor ein paar Tagen, als die ersten Schlagzeilen um den Fall Kachelmann die Runde machten, veröffentlichte Stefan Niggemeier auf seinem Blog Tweets. Tweets, die – so fand er – unlustig, auch verurteilend und vor allem geschmacklos seien. Und als ob er die Antwort nicht schon wüsste, fragte er: „Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob Twitter die Menschen doof macht oder nur ohnehin vorhandene Doofheit sichtbar.“ Ich finde diese Frage aber gar nicht soo interessant. Interessanter finde ich die Sichtweise auf Twitter, die sie provoziert haben muss. Es ist eine Sichtweise, die ich nicht teile, nicht teilen kann, denn ich bin nicht objektiv. Als Twitterer bin ich in Twitter drin, es gibt nur eine Sichtweise, die mir sinnvoll erscheint, die meiner „Timeline“. Also jener Ort, an dem alle Tweets chronologisch auflaufen, so, wie ich sie abonniert habe.

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Identität im Zeitalter ihrer technischen Ignorierbarkeit

Es war etwas still hier in diesem Blog, ich möchte mich dafür entschuldigen. Ich könnte jetzt vor allem Zeitgründe für die längere Pause anführen (was auch stimmt), aber das ist nicht der Hauptgrund. Ich stand vor einer Herausforderung, die sich, seit ich dieses Blog zu schreiben begann, von Anfang an manifestierte und seitdem übermächtig über meinem Kopf schwebte und je weiter ich es aufschob, mich damit zu befassen, desto bedrohlicher wurde es. Und es ist nicht so, als hätte ich das nicht versucht. Ich habe viel gelesen, mir noch mehr Gedanken gemacht und alle Szenarien immer und immer wieder durchgespielt. Aber egal wie viele Texte ich anfing, ich war jedes mal unzufrieden. Vor allem aus einem Grund: das Thema ist zu wichtig. Das Thema ist weit aus wichtiger als der „Zweite Markt“ und der Untergang des Informationsgeschäfts. Und manch einer machte mich schon darauf aufmerksam, dass das Thema auf jeden Fall erwartet wird. Ich will mich dem nun endlich stellen: dem Thema Datenschutz.

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Fullfeeds, Gewalt und eine Skizze des „Zweiten Markts“

Ich will hier nur ein kurzes Update zum Artikel von Montag geben. Denn gerade ist eine große Diskussion in der so genannten „Blogosphäre“ entbrannt. Ein Streit, der fruchtbar sein kann, wenn man sich ein wenig von alten Denkmustern befreit. Denn natürlich fädelt sich dieser Streit nahtlos ein in die hysterischen Diskussionen der Verleger um Leistungsschutzrechte und ihrem Schimpfen über „Umsonstkultur“ und ihre Enttäuschung um die faulen, geizigen Leser, die ihnen einfach nicht genug Geld für ihr Schaffen geben wollen. Dieser Streit zeigt sehr schön, dass da kein Blatt zwischen Verleger und Blogger passt, jedenfalls, wenn es um das Jammertal der Monetarisierung geht. Ein Jammertal, das Blogs erst möglich machte, aber zumindest in Deutschland nicht zum monetären Erfolgsmodell wurde. Die Krux mit dem neuen Empowerment des Lesers ist nämlich, dass es durch das Ausleben seiner differenzierten Interessen den Longtail zwar ermöglichte, aber seine Macht, den eigenen Informationshaushalt zu bestimmen, dort noch lange nicht aufhört.

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Die Tausend Tode des Autors

Man kann den Titel dieses Blogs – „CTRL-Verlust“ – mittlerweile durchaus kritisch sehen. Denn was ich hier präsentiere sind mitnichten nur Kontrollverluste. Es gibt auch Kontrollzugewinne. Der Kontrollverlust scheint also mehr eine Kontrollverlagerung zu sein. Es scheint beinahe so zu sein, als sei das Maß an Kontrolle das selbe geblieben, nur ist sie heute anders verteilt. Es fand und findet eine Umverteilung statt und zwar in einem Maße und einer Gründlichkeit, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Tedd Codd war so ein Umverteiler. Seine Meinung über Datenbanken war eindeutig: in einem Prozess, in dem ein Mensch eine gespeicherte Information sucht, soll er sie gefälligst autark aufrufen können. Ganz ohne Systemadministrator, Programmierer oder gar demjenigen, der diese Information gespeichert hatte. Charles Codd ist der geistige Vater der relationalen Datenbank.

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Links zum Kontrollverlust

Es scheint sich tatsächlich eine fruchtbare Debatte über das Internet als Medium des Kontrollverlustes zu entwickeln. Anstatt hier also den nächsten Text herein zu geben, will ich auf einige bemerkenswete und aktuelle Texte eingehen.

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mspro

Seemann. Ich lese überall „Seemann“. Das ist furchtbar ungewohnt. Das bin nicht ich, das fühlt sich nicht so an. Das ist, als würde ich über eine andere Person lesen. Ich war nämlich bisher als „mspro“ unterwegs. Auch wenn ich meinen bürgerlichen Namen schon seit über einem Jahr nicht mehr geheim halte (so richtig habe ich das eh nie) war ich doch noch überall „mspro“, wo immer ich auftauchte. Jedenfalls hier, im Internet. Es ist aber noch schlimmer. „Mspro“ ist der Nickname, den ich mir ausdachte, noch bevor ich das Internet auch nur gesehen hatte. Damals, ich glaube, ich war 14 – und in meiner Klasse dachten sich alle irgendwelche Namen aus, um die als „Tag“ an die ein oder andere Hauswand zu sprühen. Natürlich malten die meisten von uns damit nur ihre Schulhefte voll, aber irgendwo muss man ja anfangen, mit der Identität und der Findung der selben. Als Jugendlicher giert man Identität, weil sie Mangelware ist, sofern man die üblichen Konfektionsmuster nicht auf sich anwenden will und das will man natürlich nicht. Was gibt es also Naheliegenderes, als mit dem Namen anzufangen, dem eigenen Namen, dem selbst gewählten Namen, einer gewissen Selbsttaufe?

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Wir, das Bücherregal, Twitter und mein mentales Exoskelett

Das hier ist jetzt nicht allzu leicht für mich. Man könnte mich schnell in eine esoterische Ecke schieben, denn ich versuche, etwas zu beschreiben, was, wie ich finde, ein Lebensgefühl ausmacht, das aber neu ist. Eines, das ich derzeit erlebe, aktiv erlebe, mit anderen zusammen und ich glaube, ich bin nicht der einzige, der mit Worten ringt, das in einen nach außen nachvollziehbaren Rahmen zu kleiden. Vielleicht ist das aber auch der Trick: Es nicht alleine zu versuchen, sondern gemeinsam die Welt zu entdecken und zu beschreiben. Ich schätze, deswegen mag ich Kommentare. Zu meinem letzten Posting kamen einige; viele davon sehr wertvoll und fundiert. Manche waren auch sehr kritisch, aber um ehrlich zu sein, hätte ich mit weitaus mehr Gegenwind gerechnet. Gerade der Gegenwind zwingt einen ja, über sich hinaus zu wachsen.

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Die Krankenakte von Tut Ench Amun

Ich habe die Kontrolle verloren. Über dieses Blog. Und das, noch bevor ich es angefangen hatte. Es vegetierte nämlich bereits einige Tage in den vermeintlich anonymen Sphären unterkategorisierter Listen – unfertig, aber einsatzbereit. Ich, wir – dachten, dass es hier, in den Untiefen des FAZ-Systems unentdeckt bleiben würde. Wie naiv! In „Jurassic Park“ sagt der Mathematiker Ian Malcolm, nachdem er von den unfassbar ambitionierten Sicherheitsmaßnahmen erfährt, die man um die eingesperrten Dinosaurier errichtet hat: „Das Leben findet einen Weg.“ Komplexität ist etwas anderes als Kompliziertheit. Kompliziertheit ist schwierig zu handhaben, Komplexität unmöglich. Das Leben ist komplex, das Netz ist es auch. Das Netz findet einen Weg. Mathias Richel twitterte vorgestern Nacht:

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