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Kontrollverlust und „Privatsphäre“

Postprivacy ist ein interessanter Diskurs, aber er hat eine Macke. Die meisten Dinge, über die wir reden – jedenfalls im Zuge dessen, was ich den Kontrollverlust nenne – lassen sich nur unter äußersten Schwierigkeiten über den Begriff des „Privaten“ adressieren. Denn: Was ist überhaupt private Information?

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Die Institution und der Dämon

Bei dem Artikel für die Böllstiftung sind – wie ich bereits andeutete – noch nicht alle Aspekte versammelt, die es zum Kontrollverlust zu sagen gibt. Ich schrieb den Text im Januar und hatte mir noch bis zur re:publica Zeit genommen, den Rest der Theorie zu formulieren. Auf meinen Vortrag gab es dann die Vollversion. Den Rest will ich jetzt hier nachtragen. Wie Torsten Kleinz richtig herausstellt, kennen wir eine absolute Kontrolle von Information aus keiner Zeit in der Geschichte der Menschheit. Der Kontrollverlust ist im Grunde seiner Mechanik kein digitales Phänomen, sondern ebenso ein analoges, ein beinahe banales, aber dafür um so universelleres. Luhmann hat einmal gesagt: “Wer schweigt, kann immer noch reden. Wer dagegen geredet hat, kann darüber nicht mehr schweigen.” Diese einfache Wahrheit beschreibt den Urkontrollverlust sehr treffend. Es geht schlicht und ergreifend eine Option verloren, sobald die Information in der Welt ist. Information ist ein irreversibles Ereignis. Ein Ereignis, das weitere Ereignisse anstößt und sich auf diese Art und Weise fortpflanzt.

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Carta: Vom Kontrollverlust zur Filtersouveränität

/************ Eigentlich habe ich diesen Text für den Reader „#public_life“ von der Heinrich-Böll-Stiftung geschrieben, der bald erscheinen wird. Nun ist er schon auf Carta vorveröffentlicht worden. Es geht um eine tiefere theoretische Fundierung der Kontrollverlusthese, mit der ich gerade beschäftigt bin. Ja, richtig gelesen, immer noch bin. Dieser Text hier ist also eine vorläufige Version – Stand etwa Januar. Auf der re:publica werde ich das ganze nochmals aufbohren und erweitern. *************/ Die USA stehen diplomatisch ohne Hosen da, ein «Shitstorm» bricht über Nestlé herein, ein Blogger prangert ein Zitat des Bundespräsidenten an, der schließlich zurücktritt, private Videos von Jugendlichen verbreiten sich im Netz, das Internet verleibt sich das deutsche Straßenpanorama ein, und in Tunesien und Ägypten verabreden die Menschen sich zum spontanen Regimesturz. Die Welt ist in Aufruhr dieser Tage, und irgendwie hat es mit dem Internet zu tun. Vor einem Jahr habe ich mich entschlossen, Ereignisse wie diese unter dem Begriff «Kontrollverlust» zu untersuchen. Das scheint etwas unsystematisch, und tatsächlich ist es nicht einfach, eine passende Definition für all diese unterschiedlichen Phänomene zu liefern. Ich versuche es dennoch: Ein Kontrollverlust entsteht, wenn die Komplexität der Interaktion von Informationen die Vorstellungsfähigkeiten eines Subjektes übersteigt. Das ist an sich nichts völlig Neues, wir kennen das. Meine These ist aber nun, … Weiterlesen

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Was ist Postprivacy (für mich)?

Gerade wird überall um den Begriff Postprivacy gerungen. Auch ich wurde schon oft gefragt, was das sein soll, ganz so, als ob ich eine Deutungshoheit über diesen Begriff hätte, oder auch nur eine durchdeklinierte Definition. Die habe ich nicht. Immer noch nicht, obwohl ich oft genötigt wurde, mir darüber Gedanken zu machen. Ich habe dann immer geantwortet, was Postprivacy für mich bedeutet, welche Ideen ich damit verbinde. Meine Antworten fielen auffallend unterschiedlich aus. Sie widersprechen sich zwar nicht direkt, lassen sich aber eben auch nicht zusammenfügen zum großen Ganzen einer „Theorie der Postprivacy“. Wie dem auch sei: ich wollte diese Antworten hier mal gesammelt aufschreiben, als eine Art Referenzpunkt, auf den ich mich beziehen kann, wenn jemand mich das nächste mal fragt, was ich für Postprivacy halte.

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The Rise of Spackeria

Als mich vor etwas über einem halben Jahr jemand auf die „Post-Privacy-Bewegung“ ansprach, musste ich kurz auflachen. Seit etwas über einem Jahr beschäftige ich mich mit dem Kontrollverlust. Etwas länger schon knabbert Christian Heller an der Idee der Post-Privacy. Wir? Eine Bewegung? HAHA! Ich kann mich noch gut erinnern, als Christian auf dem 25c3 in Berlin das erste mal über das Thema sprach. Die Nerds, die seinen Ausführungen gelauscht hatten, belächelten ihn freundlich aber nahmen ihn nicht ernst. Eine lustige, abwegige Meinung um das wichtige Thema Datenschutz einmal aufzulockern, so dachte man wohl.

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RollingStone: Deutschland, bald unverpixelt?

Für die Januarausgabe des RollingStone habe ich folgenden Artikel geschrieben. Ist vielleicht nicht mehr ganz so aktuell, aber ich wollt ihn hier dokumentiert haben. Von den Deutschen reletaiv unbeachtet haben sich sogenannte „neue Medien“ in die Welt geschlichen. Das störte rund 20 Jahre kaum, doch seit diesem Jahr ist es mit Ruhe vorbei. Zum Beispiel diesen Sommer. Hatten sich die einen gerade angefangen bei Facebook einzurichten (ca. 5%) und die anderen die Preisvorteile beim Onlinebuchen von Billigreisen für sich entdeckt (ca. 65%) und schon steigt das Internet aus dem Bildschirm und steht vor der Haustür. In Form eines Autos fährt es durch die Straßen und macht Fotos! Die Deutschen müssen an eine Invasion Außerirdischer geglaubt haben. Wie sonst erklärt man die 244.237 Widersprüche und die darauf folgende Flächenverpixelung deutscher Großstädte auf Google Street View?

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Facebook, der Privacy-Leviathan

Die Veränderungen, selbst die radikalsten, beginnen immer im kleinen. Und ich würde über keine dieser Umwälzungen schreiben, wären sie nicht in ihrem Keim schon beobachtbar. Denn das, was die Menschen tun, tun sie vielleicht unreflektiert, aber sie geben damit Tendenzen an, die viel über die unterschwelligen Machtverschiebungen aussagen, die in Zukunft eine Rolle spielen. Beispielsweise die Datenschutzforderungen gegenüber Facebook und co. Derzeit wieder neu auf dem Buchmarkt geschmissen, unter dem Titel „Die Facebookfalle“ von Sascha Adamek. <*großer Seufzer*> Facebook sammelt Daten, die man ihm gibt und klar, reichert es sie statistisch an. Um Werbung anzuzeigen. Sie geben Partnern Zugriff auf die Daten, um ebenso Werbung anzuzeigen oder Features zu ermöglichen. Mehr nicht. In der Reihe, der Unternehmen, die potentiell oder real an Informationen von Nutzern herankommen, ist kein einziges dabei, das mit einer Keule auf irgendwen einschlagen wird oder eine Sklavengalere betreibt, auf der wir rudern müssen, weil wir den falschen Filmgeschmack haben. Dass Regierungen an solche Unternehmen herantreten und diese Daten tatsächlich gegen uns verwenden können, ist zwar richtig, aber Facebook dafür zu kritisieren ist so sinnvoll wie das Beschimpfen eines Raubopfers nach dem Diebstahl. Ich frage mich also regelmäßig, was diese Gekreische eigentlich soll. Aber satt mich hier … Weiterlesen

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Verantwortungsvolles Filesharing

Gestern fand die Veranstaltung “Filesharing, Napster und die neue Datengroßzügigkeit” in Berlin statt. Man traf sich in der Heinrich-Böll-Stiftung, um über das neue Phänomen Napster und seine gesellschaftlichen Auswirkungen zu diskutieren. Geladen waren Daniel Domscheit-Berg, ehemaliger Mitstreiter von Shawn Fanning und nun Gründer von KaZaA, Constanze Kurz von der BITKOM und Konstantin von Notz, Sprecher der EDV-Abteilung der Phonoverbände. Meike Laaff, die die Runde moderierte, stieg gleich mit der wichtigsten Frage ein, die sie an Daniel Domscheit-Berg stellte: sollte wirklich jede Datei in Filesharingnetzwerken getauscht werden, oder sollte es dort auch Grenzen geben. Domscheit-Berg warf sich zunächst in die Bresche für die neue Technologie, die man nicht verteufeln dürfe, räumte aber ein, dass es natürlich auch Fälle gäbe, in denen das Filesharing unliebsame Folgen haben könnte. Etwa, wenn Urheberrechte verletzt oder Nazipropagandalieder verbreitet werden. Constanze Kurz von der BITKOM begrüßte die Idee, dass Menschen jetzt ohne Umwege Daten tauschen können, mahnte aber ebenso wie Domscheit-Berg an, dass es da moralische Grenzen geben müsse. Die Philosophie der Bitkom: „legale Daten tauschen, illegale löschen„, könne hier Orientierung bieten. Das könne man aber nur von Fall zu Fall abwägen.

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Queryology II – Das Filtersubjekt

/***** Dies ist nun der zweite Teil einer überarbeiteten Version eines Vortrags, den ich während des 27c3 in der c-base gehalten habe. Es ist ungemein wichtig, den ersten Teil – Queryology I – Das Ende der Medien – zu lesen, um die Ausgangslage der Gedanken hier zu verstehen. *****/ Dieses Video wirft einige Fragen auf. Vor allem: Was genau passiert hier?

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Queryology I – Das Ende der Medien

/***** Dies ist der erste Teil einer verschriftlichten und erweiterten Version eines Vortrags, den ich während der 27c3 in der c-base gehalten habe. hier geht es zum zweiten Teil: Queryology II – Das Filtersubjekt *****/ Wenn wir über das Internet nachdenken, dann tun wir es für gewöhnlich in dem Kontext einer gewissen Evolution der Medien. Um es in seiner Wirkung, in seiner sozialen und kulturellen Disruptivität und den ausufernden neuen Möglichkeiten zu veranschaulichen, stellen wir es neben den Fernseher, neben die Zeitung und das Radio. Wir ziehen eine Linie von dort nach hier, als wäre der Computer und das Internet der nächste, logische Schritt in der Entwicklung von Medientechnologien. Dementsprechend hat sich auch die Medientheorie an den Computer angenähert, indem sie ihn in diesen historischen Kontext einordnete, als Kulturmaschine.

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